Luhmann: Warum uns die digitale Öffentlichkeit ohnmächtig macht – scobel
Shownotes
Wir leben im Zeitalter totaler Information und fühlen uns trotzdem immer öfter orientierungslos. News, Krisen, KI, soziale Medien: Alles ist jederzeit verfügbar. Aber macht uns das wirklich aufgeklärter? Oder nur überforderter? In diesem Video geht es um eine überraschend aktuelle Diagnose von Niklas Luhmann: Nicht zu wenig Wissen ist unser Problem, sondern die Komplexität der Wirklichkeit.
Zwischen Wissenschaft, Philosophie und Soziologie geht es um Aufklärung, Systemtheorie, Kontingenz, Rationalität und die Frage, warum permanente Entlarvung nicht automatisch zu besserem Verstehen führt. Was hat das mit digitaler Öffentlichkeit, Empörung, KI, TikTok und unserer eigenen Handlungsfähigkeit zu tun? Und warum könnte eine Abklärung der Aufklärung heute wichtiger sein denn je?
📅 Neue Ausgaben immer donnerstags, 19 Uhr.
👇👇👇
0:00 👉 Intro
4:50 👉 Luhmann: Wenn Aufklärung zur Überforderung wird
8:54 👉 Die Grundregel: Erfassen und Reduzieren
14:00 👉 Systeme statt Öffentlichkeit
17:56 👉 Die Überforderungsmaschine
👇👇👇
Moderation, Recherche & Skript: Gert Scobel
Zeichnungen: Claus Ast
Eine Produktion der probono Fernsehproduktion GmbH:
Anja Görner, Friedrich Küppersbusch, Jürgen Ohls, Kim Plettemeier, Maxie Römhild und René Fischell
Mit Unterstützung von:
Alexander Hollmer, Annluise-Sophie Schröter, Arne Clasvogt und Pascal Hadré
Finanziert wird dieser Kanal vom gemeinnützigen AVE Institut für Achtsamkeit, Verbundenheit, Engagement (🔗 https://ave-institut.de/).
👇👇👇
Fragen und Anregungen gerne jederzeit per Mail an scobel@probono.tv.
Und Tschüss.
#scobel
Transkript anzeigen
00:00:00: Es geht weiter in der Reihe des Nachdenkens über Aufklärung, diesmal mit einem Text, der besonders ist.
00:00:06: Unter anderem weil er außerhalb des klassischen Kanons steht indem er meiner Ansicht nach hineingehören würde.
00:00:13: Jedenfalls halte ich den Text für entscheidend um mit dem Thema Aufklärungen heute weiterzukommen.
00:00:18: Stellt euch vor ihr wacht morgens auf, weil ihr einen Anruf bekommen habt!
00:00:23: Parallel schaltet ihr schon mal den Laptop ein, sichtet die Newsheadlines und wisst innerhalb von drei Minuten über Kriege, fünf Krisenherde, weitere Skandale.
00:00:32: Und den Wahl- und den neuen Klimaberichtbescheid!
00:00:35: Ihr legt das Telefon wieder zur Seite, klappt dem Laptopp zu aber ihr habt das bleibende Gefühl zwar jetzt gut informiert zu sein jeden Tag Aber im Grunde wisst ihr nicht was er jetzt tun soll?
00:00:46: Ihr seid überfordert.
00:00:48: übrigens Was euch nicht überfordern an dieser Stelle ist ein Abo würde uns allen nämlich helfen, denn es zeigt wir arbeiten nicht für niemanden sondern für alle die es interessiert.
00:00:59: Das ist diese Überforderung glaube ich eine der eigentümlichsten Erfahrungen unserer Zeit!
00:01:04: Nicht Unwissenheit, nicht Gleichgültigkeit, sondern ein Art Ohnmachtsgefühl durch Wissen.
00:01:10: Wir sind die am besten informierte Generation, die je auf diesem Planeten gelebt hat und wir glauben das mache unser Leben besser!
00:01:18: Besser weil wir aufgeklärter sind.
00:01:20: Aber wird es besser?
00:01:22: Ich bin mir da nicht so sicher.
00:01:24: Denn verstehe ich auch mehr, wenn ich mehr weiß?
00:01:28: Weiß' ich besser und klarer was ich tun
00:01:30: soll?".
00:01:32: All das ist –wenn man dem Soziologen Niklas Luhmann folgt– keine neue Erfahrung!
00:01:38: Im Kern hat er all das mit überraschender Helsichtigkeit und Präzision bereits im Jahr nineteenhundert siebenundsechtzig
00:01:44: beschrieben.".
00:01:45: Den Text findet ihr in der Urfassung im digitalen Luhmann-Archiv, den Link findet Ihr in der Textbox.
00:01:51: Dort findet ihr eben auch Luhmans Notizen zu seiner Antrittsvorlesung vom XXV Januar.
00:01:58: In komprimierter Form entwickelt Luhman – wie gesagt soziologe war – ein Programm der Abklärung der Aufklärung, das er noch im selben Jahr zu einem Essay mit dem Titel Soziologische Aufklärungen ausbaute.
00:02:11: und dieser Titel SOZIOLOGISCHE AUFKLEHRUNG bleibt für ihn so zentral, dass Lummern seine insgesamt sechs Bände von Essays die noch zu Lebzeiten erscheinen genau so nennt.
00:02:23: Soziologische Aufklärung, Bank eins bis sechs.
00:02:26: Wie ich es sehe, bleibt auch in seinen großen bekannten Werken der Systemtheorie dieses Thema der Abklärung der Aufklärungen zentrall und wird immer weiter ausbuchstabiert.
00:02:37: Worum geht es?
00:02:39: Luhmann erinnert zunächst an das aufklärerische Ethos des neunzehnten Jahrhunderts, komprimiert in ganz berühmter Formel habe ich ja hier im Kanal schon vorgestellt von siebzehnhundratvierundachtzig Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit.
00:02:54: All das ist ein wunderschönes Programm mit einer scheinbar klaren Mechanik Mehr Wissen mehr Vernunft bessere Entscheidungen besseres Handel, bessere Welt.
00:03:04: Die Aufklärer des achtzenden und des neunzehnten Jahrhunderts glaubten daran mit einer Inbruns die wirklich bewundernswert ist.
00:03:11: Voltaire Diderot kannte sie alle produzierten Wissen im Glauben das dieses Mehrwissen befreit!
00:03:17: Und dieser Glaube beruht oft zwei Prämissen, die damals eine neue Art der Selbstverständlichkeit bildeten.
00:03:24: Erstens Alle Menschen haben gleichen Zugang zu einer gemeinsamen Vernunft ,die Sie alle teilen.
00:03:32: Zweitens, diese Vernunft kann man von Vorurteilen so befreien dass die Ziele der Menschheit erkennbar und durch vernünftiges Handeln erreichbar sind.
00:03:42: Aber das ist ja nicht ganz unproblematisch!
00:03:44: Dass wir alle in gleicher Weise Zugang zu eigenen Vernünftigkeiten haben – das mag ja vielleicht eine Theorie sein aber wir haben nicht alle gleichen Zugangs zur Ausbildung zum Beispiel.
00:03:54: Zu Bildung.
00:03:56: Zweitends ist das was vernünftig scheint durch kollektive Weltanschauungen in Gruppen beeinflusst.
00:04:03: Und drittens hat uns all das weder vor zwei Weltkriegen, zwei Atombomben abwürfen noch von dem Holocaust oder neuen Kriegen oder den Zerfall bzw Rückbau der internationalen Rechtsordnung geschützt.
00:04:16: Hinzu kommt der gegenwärtig vielleicht radikalste Umbau der menschlichen Kultur seit der Einführung der Schrift und zwar durch die Implementierung von KI-System im Alltag die völlig neue Fragen nach dem Zugang zur eigenen Vernünftigkeit aufwirft, wenn diese Vernünftigkeit mithilfe von KI-Systemen ständig aufgepeppt wird.
00:04:36: Luhmann folgert aus alldem nicht das die Aufklärung versagt hat – er nähert sich dieser Lage weitaus subtiler indem er fragt was hat eigentlich die Aufklarungen über sich selber nicht gewusst?
00:05:01: In dem Jahrhundert entdeckt die Aufklärung nicht nur ihre Fähigkeiten mehr Wissen unter anderem mithilfels Buchdrucks zu verbreiten, sondern auch bestimmte Überzeugungen, Regeln und Reflexionen als falsch anscheinend zu entlarven.
00:05:14: Besteht Aufklärum nicht in der Erweiterung des menschlichen Vermögens um die Komplexität der Wirklichkeit zu erfassen?
00:05:21: Luhmann nennt da als Beispiele Marx, Freud, Darwin oder Nietzsche Beispiele für systematische Verfahren Täuschung oder Entlarfung.
00:05:33: Dabei geht es nicht primär um Produktion von Tugenden und mehr Wissen und Bildung, sondern darum die offiziellen Fassaden dessen was wir scheinbar wissen zu diskreditieren und verdrängtes hervorzuholen.
00:05:48: Luhmann nennt den Literaturkritiker Kenneth Burkey, der diese Methode sehr treffend als Perspektive bei Incongruity bezeichnete.
00:05:56: Also man gewinnt Erkenntnis und neue Perspektiven in dem an einen fremden unangemessen bzw gar nicht konkurrenten Maßstab an etwas ranlegt.
00:06:07: Und dadurch dass man diesen veränderten Maßstäb ran legt erscheint das Vertraute und Selbstverständliche mit einmal fremd komisch Und dann steht es plötzlich alleine da nackt in einer anderen Umgebung und man sieht das völlig neu.
00:06:20: Was zunächst wie eine Methode zum nachhaltigen Erkenntnis gewinnen und positiv aussieht, hat jedoch eine paradoxe Auswirkung stellte Luhmann fest – und er war, wie bereits gesagt ja Soziologe, sein Blick galter Gesellschaft!
00:06:34: Je konsequenter man entlarvt, stellteLuhmann Fest der so tiefer zeigt sich auch die eigene soziale Determination, das heißt die eigene soziale Bestimmtheit, Engstürmigkeit und Zufälligkeit, die weit tiefer reicht als man selber dachte.
00:06:52: Nicht nur eigene Überzeugungen sind ja immer auch gesellschaftlich mitgeformt sondern auch private Wahrnehmung Bedürfnisse Sprache, Moral.
00:07:00: Und diese soziale bestimmtheit wie manchmal ja zufällig ist sitzt so Luhmann ebenso tief in den Alltagsmythen, an die wir glauben wie in den Selbstmordfrequenzen von Jugendlichen oder im Konsumverhalten.
00:07:15: Wer aufklärt der entdeckt nach Luhmann mit der Aufklärung ein häufig verborgenes Problem das er Kontingenz nannte?
00:07:23: Die Abhängigkeit und Zufälligkeit unserer sozialen Welt, die immer auch anders sein könnte.
00:07:31: Wenn wir nachdenken, stellen wir fest, dass vieles ja nahezu alles in unserem Leben auch anders sein kann.
00:07:37: Und diese Einsicht kann ebenso befreiend wirken wie Lähmend je nachdem welche Perspektive man gerade hat.
00:07:44: Jedenfalls müssen wir diese Kontingenz unseres Lebens immer in Rechnung stellen wenn wir versuchen einen besseren Durchblick zu haben und die Grenzen der bisherigen Verfahren der Aufklärung besser an den Blick nehmen.
00:07:57: Was wir brauchen ist also eine Abklärung der Aufklärung.
00:08:01: Warum?
00:08:02: Weil die entlaufende Formen der Aufklarung, also ständig nur zu diskreditieren, ständig noch zu kritisieren in sich den Keim ihrer eigenen Zerstörung trägt!
00:08:14: Sie wird gewissermaßen hysterisch – das erleben wir ja gerade Stichwort Social Media –.
00:08:18: deshalb muss Aufklärungen eher abklären als weiter aufzuregen um auf diese Weise entspannt ihre eigenen unüberwindbaren Grenzen, ihrer Kontingenz sowohl in der Theorie wie in der Praxis zu erfassen und entsprechend zu handeln.
00:08:34: Diese Grenzen der Aufklärung markieren nicht Willkür oder ein für allemal behebbarer Mangel an Wissen sondern Diese Grenzen werden markiert durch die Komplexität der Wirklichkeit, die sich in ihrer Ganzheit eben von niemanden auch nicht von einem Team von Leuten erfassen lässt.
00:09:01: Der Schritt, den Luma an Richtung Bewältigung und Verstehen der Komplexigkeit geht scheint auf den ersten Blick ein bisschen seltsam.
00:09:08: Aufklärung sagt Luma besteht nicht einfach darin mehr Wissen zu produzieren – und noch mehr wissen!
00:09:16: Was es über das Wissen hinaus, über das wir zweifellos ja verfügen zu klären gilt ist wie dieses Wissen dass immer kontingent ist und damit abhängig und begrenzt überhaupt einer nicht zu fassenden Komplexität der Wirklichkeit entgegenwirken kann.
00:09:33: Lomans Antwort – Das kann nur gelingen wenn die Komplexigkeit der Welt nicht irgendwie und abstrakt erfasst wird sondern wenn sie auch konkret reduziert wird, sonst sind wir nämlich nicht handlungsfähig.
00:09:47: Nur dann können wir diese Komplexität verstehen und gestalten.
00:09:53: Das Bloße sammeln, das speichern oder produzieren von zwar richtiger aber immer neuer Informationen also noch mehr Wissen löst das Problem nicht weil wir immer wieder vor diesem Berg einer noch größeren Komplexigkeit stehen die uns umgibt, weil die Wirklichkeit immer komplexer ist als wir zumal immer irgendwo da in der Ferne am Horizont etwas erscheint, über das wir noch nichts wissen.
00:10:18: Und noch was?
00:10:19: Die Wissenschaften erfassen zwar weitaus mehr von dieser Komplexität – aber wir können es in unseren eigenen Handeln ja nicht immer aktualisieren!
00:10:29: Aufklärung besteht folglich darin uns die Welt zugänglicher zu machen und das bedeutet die vielen Möglichkeiten der Weltschdichwortkonvigenz die uns ständig darauf stößt, dass es auch noch anders sein könnte als wir es gegenwärtig wissen.
00:10:46: Trotzdem für unser Leben zu erschließen und sich für unsere Handeln und die Wahrnehmung von Sinn zugänglichzumachen.
00:10:53: Es reicht nicht wie der Ox vor dem Berg der Komplexität zu stehen und die Konfusion dann in leuchtenden Farben einer Theorie auszumal- oh!
00:11:01: Wie komplex ist die Welt?
00:11:03: Es geht darum, uns und diese Welt zu verstehen.
00:11:07: Und das bedeutet sehr unterschiedliche Systeme zu verstehen, also Politik, Wirtschaft, Moral, Recht und so weiter.
00:11:14: Und zu verstehen wie wir mit dieser Komplexität, mit diesen Systemen umgehen und uns inmitten der Überfülle all dessen was ja auch noch möglich ist überhaupt halten wie überleben können.
00:11:26: Anders gesagt, wir müssen die Unberechenbarkeit der Welt erkennen in der Wir-Leben.
00:11:31: Und dazu gehört auch die Verschiedenheit der sozialen Standpunkte zu erkennen, denn diese Verschiedenhalt der Perspektiven und Standpunkten macht ja unsere soziale Welt gerade so problematisch.
00:11:42: Kurzum – wir müssen erfassen wie sich unterschiedliche Systeme gegen diese Unberechanbarkeit und Komplexität behaupten.
00:11:49: Die machen es auf jeweils andere Art und Weise!
00:11:52: In gewisser Weise braucht Aufklärung also eine Verzögerung, einen Aufschub um andere Systeme besser zu verstehen.
00:12:03: Diese Verzörgerungen nennt man in der Psychologie Latenz.
00:12:07: Gemeint ist damit eine gewisse Ignoranz ein Nicht aufgeklärt sein das uns aber hilft zu verstehen.
00:12:15: wir brauchen einfach Zeit dafür.
00:12:17: warum?
00:12:18: weil wir unsere Personal- und sozialen Handlungssysteme zunächst gegen die Überforderung schützen müssen, um auf diese Weise allmählich die Handlungsfähigkeit in einer hochkomplexen Umwelt zu erhalten oder wiederzugewinnen.
00:12:32: Einer Umwelt, die immer komplexer ist als wir selbst es sind.
00:12:36: Beispielsweise dauert es bis präzise beobachtet haben, wie so ein System funktioniert und die unendlich vielen alternativen Hypothesen der Erklärung – wie es auch noch sein könnte oder wie die Zusammenhänge sind – allmählich ausschließen können.
00:12:53: Das braucht einfach Zeit!
00:12:56: Ohne eine solche Reduktion der Möglichkeiten und damit der Komplexität können wir nicht handeln.
00:13:01: Wir sind
00:13:01: überfordert.".
00:13:03: Eine Aufklärung, die das nicht begreift überfordert und diskreditiert sich selbst.
00:13:08: Und das führt zu einer entscheidenden Konsequenz.
00:13:10: Wir müssen nämlich Aufklärungen vom jeweiligen Problem her lösen – verschiedene Systeme lösen verschiedene Probleme!
00:13:18: Wir müssen sie nicht von der Theorie her oder dem was wir bislang für selbstverständlich hielten andenken Das ist nämlich sehr wichtig, sondern vom Problem her.
00:13:28: Und ein Problem ist keine unbezweifelbare Wahrheit oder Theorie – es ist auch kein Aktion!
00:13:33: Ein Problem zeigt sich uns viel mehr und ein Problem zeigt dass wir die Komplexität der Wirklichkeit im Ganzen eben noch nicht erfasst haben.
00:13:42: Sie in ihrer Gesamtheit durch eine vereinfachende Aktionatisierung also durch Logik, durch ein System, durch die Vernunft zu erfassen.
00:13:52: das kann uns nicht gelingen Und deshalb müssen wir uns umorientieren und auch in der Theorie.
00:14:06: Kant hatte für die Aufklärung ein neues Medium entdeckt, die Öffentlichkeit bzw.
00:14:11: die freie Vernunft, die sich öffentlich äußern kann.
00:14:15: Menschen, die miteinander diskutieren und ihre Vernunft gebrauchen – das war der Motor des Fortschritts!
00:14:21: Luhmann kennt die Perspektive um.
00:14:24: Der Diskurs alleine später dann bei Jürgen Habermas, die zwanglose Vernunft und Kommunikation.
00:14:31: Die helfen zwar aber sie klären erst dann wirklich auf wenn wir auch das Problem der Komplexität angehen und das menschliche Potenzial nutzen um diese Komplexigkeit sowohl zu erfassen wie zu reduzieren.
00:14:45: Und zu beachten ist dabei, wie Luhmann dann in späteren Jahren immer weiterhin zugefügt und weiter ausdifferenziert hat – dass wir genau durch diese Reduktion von Komplexität die uns zunächst mal hilft, gleichzeitig auch neue Player, neue Strukturen, neue Systeme, neue Technologien schaffen kurz Neues ins Spiel dieser Komplexkeit bringen und dadurch die Komplexigkeit erhöhen.
00:15:11: Indem wir also Komplexheit reduzieren erhöhen wir paradoxerweise dieses Spiel der Komplexität und das permanent.
00:15:19: Und das war bereits mit der Einführung der Schrift und des Buchdrucks so, und er verhält sich jetzt nach der Einführung des Internet mit den KI-Systemen genauso.
00:15:27: Insofern müssen soziale und psychische Systeme etwas leisten was durch bloße Öffentlichkeit, durch bloßes Brutal entlarven dessen was wir was wir so denken alleine überhaupt nicht mehr geregelt werden kann.
00:15:41: Vielmehr müssen wir Komplexität schrittweise abarbeiten.
00:15:45: Wir müssen so arbeiten, dass man nicht permanent die Strukturen mit denen wir arbeiten zugleich auch zerstören.
00:15:52: Das kann uns gelingen indem wir gleichzeitig aber an verschiedenen Arbeiten.
00:15:57: auf diese Weise können wir uns auf die Perspektiven und Ergebnisse anderer verlassen, die an etwas anderem arbeiten ohne alles selbst immer durchdenken oder machen zu müssen.
00:16:06: Nicht der Einzelne, nicht die Öffentlichkeit sondern die unterschiedlichen Systeme sind es also, die uns helfen mit der Komplexität umzugehen.
00:16:15: Sie machen das, indem sie die unbestimmte jedes einzelne System über steigende Komplexität der Wirklichkeit, die wir nie als Ganze erfassen können jeweils auf ihre eigene Art und Weise verarbeiten und verstehen.
00:16:28: Das macht die Wirtschaft so, die Politik so und die Wissenschaften machen es noch mal anders!
00:16:32: So bleibt jeweils das erhalten was wir brauchen um überhaupt Urteilen erleben wahrnehmen handeln zu können und Sinn zu finden.
00:16:40: Systeme sind das Medium der Aufklärung.
00:16:43: Und was bedeutet das?
00:16:45: Luhmann zeigt, dass hier komplexer ein System strukturiert ist.
00:16:48: Auch im Inneren mehr Zustände annehmen kann und das hilft deshalb weil das System auf diese Weise besser auf eine Umwelt reagieren kann sie sich permanent verändert.
00:17:00: Je komplexes ein System also ist desto aufgeklärter kann es auch handeln.
00:17:06: Und darin besteht die Aufgabe der Aufklärung, nicht aufzugeben Ansicht zu immer größeren Komplexität sondern unsere Fähigkeit zu nutzen.
00:17:13: Zu verbessern und einzusetzen um Komplexkeit der Wirklichkeit so zu reduzieren dass wir angemessen und überlebensfähig in ihr handeln können.
00:17:22: Heute würde man sagen, so dass wir resilient nachhaltig und weiterhandlungsfähig sind.
00:17:26: Luhmann analysiert nun im weiteren einige Systeme im Detail in dieser Vorlesung Købernetik, Rechtentscheidungswissenschaften auch Geschichte zum Beispiel als Theoriekomponente und schließt sich die Soziologie selber.
00:17:40: In Grunde baut er die Analyse des Umgangs unterschiedliche Systeme mit der Komplexität ihrer Umwelt in den nächsten Jahrzehnten bis zu seinem Tod im Jahre, und entwickelt auf diese Weise eine allgemeine Theorie der Systeme.
00:18:02: Die Herausforderung, die Luma in seiner Antrittsvorlesung beschrieben hat, betrifft uns heute direkter denn je, womit wir nicht zum Ausgangsproblem zurück können kommen!
00:18:13: Was wir heute in unserer digitalen Öffentlichkeit, zu den ich nur elektronische Medien wie Fernsehen gehören.
00:18:19: Sondern eben auch Twitter, Threads, Mustodon, TikTok, YouTube, Podcast – das ist die Realität einer Dauerentlarfungsmaschine!
00:18:26: Sie produziert ständig Empörungen in Echtzeit.
00:18:30: Sie ist hier und da auch informierend aber in erster Linie entlarvend, anklagend aktivierend.
00:18:36: Fragt euch mal ehrlich, erzeugt diese digitale Maschine Handlungsfähigkeit bei Euch?
00:18:41: oder nicht?
00:18:42: im Gegenteil Gefühle von Ohnmacht und Überforderung, die dann nicht selten in Empörung, Aktivismus und Wut umschlagen.
00:18:49: Erzeugt sie kluges Verstehen, weises Handeln und Freundlichkeit im Umgang miteinander – also das was Aufklärung ja ursprünglich wollte – oder nicht das Gegenteils permanente Überforderungen, permanentes Generft-und Aggressivsein?
00:19:03: Lumans Ratschlag lautet Nicht in den Irrationalismus Flüchten auch nicht in die ein oder andere Seite der Ideologie, autoritärer Lösung.
00:19:13: Diese Flucht nutzt auch nichts!
00:19:15: Die aufrichtige Abgeklärtheit um die geht's aber hat ihren Preis.
00:19:19: man muss nämlich lernen von Problemen herzudenken und das bedeutet zu lernen dass es zwar System Rationalitäten gibt aber keine letzte Vernunftgewissheit kein für immer und für alle feststehenden Boden keine alle zwingenden unbezweifelbaren Wahrheiten.
00:19:36: warum?
00:19:37: weil unsere Perspektiven verschieden sind und es nicht leicht ist, sie im Laufe der Zeit zur Deckung zu bringen.
00:19:44: Und die Wirklichkeit bleibt komplex und ist meistens komplexer als wir vorher gedacht haben.
00:19:51: Rationalität ist also immer System-Rationalität – und die ist und bleibt systemrelativ, also auf den Kontext eines Systems bezogen auch wenn wir durch Kommunikation versuchen können immer weiter zu überschreiten, Schranken abzubauen und damit unseren Horizont zu erweitern.
00:20:14: Was Aufklärung also leisten kann ist eine besondere Abklärung – aufgeklärt und rational ist das was Sinn in unser Leben und Handeln bringt!
00:20:22: Also zur Lösung der jeweiligen Systemprobleme beiträgt und uns dabei hilft, weiter in einer hoch komplexen Welt zu leben und zu handeln.
00:20:30: Jemand wie Donald Trump löst keine Probleme auf nachhaltige Art und Weise.
00:20:35: TikTok löst kein Problem der Kommunikation, bessere Gesetze alleine schaffen kein freundliches
00:20:41: Miteinander.".
00:20:42: Ist das beunruhigend?
00:20:43: Für Sofenjürgen Habermas haben eingewendet, dass Luhmann hier Stabilität mit Vernünftigkeit verwechselt.
00:20:49: Er sah einfach zu blind um den Unterschied zwischen strategischem Handeln und verständigungsorientiertem Handel zu sehen.
00:20:56: Ich bin mir nach wie vor nicht sicher ob dieser Einwand wirklich trifft.
00:21:00: Beruht der Glaube, die Lösung läge in einem verständnisorientierten kommunikativen Handeln und der Anerkennung eines Konsenses den mitten im Streit aber noch niemanden gesehen hat.
00:21:11: Nicht letztlich auf dem Glauben es gäbe eine Vernunft für alle?
00:21:15: one reason fits all.
00:21:16: Aber gibt es wirklich die Kommunikation das vernünftige Handeln?
00:21:21: Werde welche Institutionen?
00:21:23: liegt das fest?
00:21:24: Luhmann wollte handeln nicht an den Dienst einer solchen Ideologie stellen.
00:21:27: er fragt ob uns das, was wir denken und tun nicht überfordert.
00:21:31: Und zwar zum einfachen Grund weil wir unvollständige fehlerhafte Systeme entwickelt haben die die Wirklichkeit auf eine ungute Art und Weise reduzieren und uns daran hindern in einer Wirklichke, die nun mal komplex ist gut zu leben.
00:21:45: also was müssen wir machen?
00:21:46: Wir müssen diese Reduktion verändern.
00:21:48: Ich finde, das ist eine treffende und zudem produktive Diagnose mit deren Hilfe sich eine Abklärung der Aufklärungen betreiben lässt.
00:21:55: Eine Aufklärung die sich ihre Grenzen bewusst ist und sich bemüht diese Grenzen zu erweitern.
00:22:01: Und dass es möglich gerade weil eine komplexe Wirklichkeit viele und darunter auch viele neue Möglichkeiten enthält und bietet.
00:22:10: oder wie Luhmann sagen würde was wir sind ist kontingent und lässt sich daher auch verändern Und vieles sollte sich verändern.
00:22:19: Aber, und das ist Luhmanns entscheidender Hinweis – nicht alles auf einmal!
00:22:22: Nicht wandeln per se ist falsch.
00:22:24: Wandel sind in Ordnung.
00:22:25: Problematisch werden Transformationen erst wenn die Überforderung der handelnden Systeme zu groß wird was möglicherweise im Moment der Fall ist.
00:22:33: Das zu erkennen bedeutet sich aufzuklären.
00:22:36: Die Abklärung der Aufklärung läuft letztlich also auf ein Reflexivwerden auf einen uns bewusstwerden dieses Aufklärends hinaus.
00:22:45: Wir müssen die Grenzen erkennen, die Grenze erweitern.
00:22:47: Aufklärung muss sich selbst im Angesichts dieser wirklichen Komplexität aufklären!
00:22:53: Wir alle wissen nicht genug und wir müssen trotzdem handeln – und deshalb brauchen wir Strukturen, die selektieren, vereinfachen, verbindlich machen, die aber revidierbar also veränderbar bleiben.
00:23:05: Wir müssen vom Problem her denken, nicht von Gewohnheiten, Prinzipien aus, die wir dann für ewig gültig und absolut
00:23:11: halten.".
00:23:12: dann können wir unsere Arbeit der Aufklärung auch organisieren.
00:23:15: Luhmann sagt also weder steht auf und schaut Nachrichten, noch sagt er bleibt einfach liegen und wisst lieber nichts!
00:23:24: Er sagt auch nicht lest weniger oder lest mehr.
00:23:27: Er sagt verstehe dass Aufklärungen immer ein Doppelcharakter hat.
00:23:30: du musst beides neues erfassen uns reduzieren öffnen und schließen wissen und vergessen können.
00:23:38: zu viel Licht erträgt niemand auch kein System.
00:23:41: Damit bleibt die Frage an uns alle, was verdrängt ihr?
00:23:45: Was verdränge ich um handlungsfähig zu bleiben.
00:23:49: Und das ist eine Schwäche, die wir beheben sollten.
00:23:52: oder ist es eine Bedingung dafür weiter vernünftig handeln zu können?
00:23:55: und wie gelingt uns das?
00:23:57: Die Frage sollten wir so ehrlich wie möglich beantworten und Tschüss!
00:24:11: Pascal Hadré,
00:24:12: Sprecherin
00:24:13: Kimplette Meier.
00:24:14: Finanziert wird dieses Projekt von der gemeinnützigen Stiftung AVE dem Institut für Achtsamkeit Verbundenheit und Engagement.
00:24:22: Den Link dazu findet ihr in der Folgenbeschreibung.
Neuer Kommentar