Meditation kann gefährlich sein! – scobel

Shownotes

Meditation gilt vielen als Schlüssel zu innerer Ruhe, Klarheit und einem besseren Leben. Aber was sagt die Wissenschaft wirklich dazu? Neue Studien aus Neurowissenschaft, Psychologie und Bewusstseinsforschung zeigen erstaunliche Ergebnisse: Meditation verändert messbar unser Gehirn, unsere Wahrnehmung und möglicherweise sogar unser Selbstgefühl.

In dieser Ausgabe geht es um die neuesten Erkenntnisse zur Wirkung von Meditation: Hilft sie tatsächlich gegen Stress, Angst und Depression? Warum beobachten Forscher bei Langzeit-Meditierenden völlig ungewöhnliche Gehirnzustände? Und weshalb warnen einige Wissenschaftler inzwischen auch vor Nebenwirkungen von Achtsamkeit und Meditation?

📅 Neue Ausgaben immer donnerstags, 19 Uhr.

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0:00 👉 Intro
2:10 👉 Meditation: Drei Wellen in den letzten dreißig Jahren
8:58 👉 Was bei Langzeit-Meditierenden anders ist
13:14 👉 Nebenwirkungen: Die unbequeme Wahrheit
17:12 👉 Was die Wissenschaft noch nicht fasst – und vielleicht nie ganz fassen wird
24:37 👉 Und jetzt: Was wissen wir wirklich?

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Moderation, Recherche & Skript: Gert Scobel

Zeichnungen: Claus Ast

Eine Produktion der probono Fernsehproduktion GmbH:
Anja Görner, Friedrich Küppersbusch, Jürgen Ohls, Kim Plettemeier, Maxie Römhild und René Fischell

Mit Unterstützung von:
Alexander Hollmer, Annluise-Sophie Schröter, Arne Clasvogt und Pascal Hadré

Finanziert wird dieser Kanal vom gemeinnützigen AVE Institut für Achtsamkeit, Verbundenheit, Engagement (🔗 https://ave-institut.de/).

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Fragen und Anregungen gerne jederzeit per Mail an scobel@probono.tv.
Und Tschüss.
#scobel

Transkript anzeigen

00:00:00: In dieser Ausgabe geht's um ein Thema, das mich seit fast fünfzig Jahren beschäftigt.

00:00:04: Und ja ich geb zu und es macht mich ziemlich alt!

00:00:07: Aber seit etwa vierzig Jahren meditiere ich und habe mich schon damals gefragt was wir eigentlich wissenschaftlich über Meditation sagen können.

00:00:15: aber erst so um des Jahr zweitausendrum hat die Meditationsforschung so richtig Fahrt aufgenommen.

00:00:20: heute kommt mit dieser ausgabe einen Update dass sich auf einige größere neue Studien bezieht.

00:00:27: Infotext findet.

00:00:28: Vor einigen Jahren z.B.

00:00:29: saß der amerikanische Notarzt und Terravada-Meditationslehrer Daniel Ingram, der über dreiundzwanzigtausend Stunden Meditationserfahrung hatte in einem FMT-Scanner an der Harvard Medical School.

00:00:40: Und dort sollte er etwas tun was man in seiner Tradition seit etwa zweitausendfünfhundert Jahren schon tut.

00:00:48: Er sollte sich nämlich in einem Zustand des Nicht-Tunes und Nichtdenkens versetzen, denn die Forscher baden ihn durch die acht sogenannten Janastufen zu gehen.

00:00:57: Zustände tiefer Absorption von den buddhistische Texte seit zweieinhalb Tausend Jahren berichten.

00:01:03: was sie sahen hat sie überrascht.

00:01:05: das Gehirn von Ingraham hörte nämlich auf sich so zu organisieren wie es normalerweise zu erwarten gewesen wäre.

00:01:10: Was sich stattdessen beobachteten, war weder Entspannung noch Beruhigung sondern so eine Art radikale Reorganisation des gesamten Gehirns.

00:01:19: Der Gehirn Netzwerke die normalerweise getrennt voneinander operieren und verschmolzen.

00:01:24: Die korthikale Hierarchie des Gehirnes begann sich also aufzulösen jene Ordnung die für uns wahrnehmbar Sinn produziert aus dem Chaos unserer Sinnes-Eindrücke und damit auch das selbst konstituiert was auch immer das ist und damit die Welt in Subjekt-und Objekt aufteilt.

00:01:43: Um es klar zu sagen, diese Ausgabe jetzt ist keine verkappte Werbung für Meditation – obwohl ich persönlich aus eigener langjähriger Erfahrung heraus sehr positiv auf meine Erfahrungen mit Meditationen blicke auch wenn's immer wieder ein Auf- und Abgab!

00:01:59: Diese Ausgabe hier verstehe ich ausdrücklich nicht als Werbung, sondern als eine Art Zwischenbericht.

00:02:05: Und zwar ein Zwischen-Bericht über das was im jüngster Zeit über Meditation herausgefunden wurde.

00:02:22: Beginnen wir dort wo wir heute stehen?

00:02:24: Die Meditationsforschung hat sagen wir mal in den letzten knapp dreißig Jahren etwa drei Revolutionen erlebt.

00:02:30: Und jede dieser Phasen hat die Vorausgehende nicht ersetzt, sondern

00:02:34: vertieft.".

00:02:35: Vereinfacht gesagt ging es in Welle oder Phase eins darum zu fragen, gibt's da überhaupt irgendwas was mehr ist und wenn ja was?

00:02:43: Antworten darauf waren Herzrate, Atemfrequenz, Cortisol-Spiegel, Veränderungen im Gehirn.

00:02:49: Welle Nummer zwei fragte dann Ja aber wie wirkt das denn und wobei?

00:02:54: Antwortend darauf war unter anderem Behandlung von Angst Sucht Schmerz Depression.

00:03:00: Wir befinden uns gegenwärtig in der dritten Welle, wenn man so will.

00:03:03: Inmitten einer bislang übersehenden Fragestellung was verändert sich nämlich?

00:03:08: Wenn man langfristig meditiert?

00:03:10: auch hier gibt es erste Ergebnisse.

00:03:12: die erste revolution war eine klinisch-medizinische mit einer stark psychologischen Bedeutung.

00:03:18: vereinfacht gesagt John Kabatzin entwickelte MBSR mindfulness based stress reduction achtsamkeitsprogramme ein säkuläres acht Wochenprogramm, warum sekulär?

00:03:29: Weil es die buddhistischen Übungen aus ihrem kulturellen Kontext rausgelöst hat und dann in amerikanische Krankenhäuser gebracht hat.

00:03:38: Warum?

00:03:39: zur Therapie von Terminalen sogenannten Austherapierten vor allem Schmerzpatientinnen.

00:03:45: Was folgte, war eine der am besten replizierten Befunde in der modernen Psychologie überhaupt.

00:03:51: Achtsamkeitsbasierte Intervention reduzieren nachweislich Stress, Angst depressive Rückfälle.

00:03:57: knapper formuliert Meditation wirkt als eines von vielen wenn auch jetzt später.

00:04:03: und Beispielen erschienen und längst oder zwei tausend dreinzwanzig in German Psychiatry eine Studie die zeigte acht Wochen MBSR sind bei Angststörungen gleich wirksam wie Es geht talopram, das heißt so wirksam wie ein erstklassiges, wirksames Antidepressivum.

00:04:21: Viele dieser und ähnlicher Studien belegen es gibt da was dass messbar war und messbar ist.

00:04:27: Die Ergebnisse schienen anfangs eher klein und unbedeutend, leiteten aber dann einen Paradigmenwechsel vor allen Dingen in der psychiatrischen Behandlung ein.

00:04:35: Die zweite Revolution war eher neurowissenschaftlich orientiert und löste den Halb der Meditations- und Wusstseinsforschung aus – also ein Gebiet das vorher wirklich komplett esoterisch gehalten wurde und auch als richtig unwissenschaftlich galt.

00:04:48: Also wenn man richtig in die Forschung wollte sollte man sowas nicht machen wie Meditationsforschungen.

00:04:52: Das hat sich komplett geändert!

00:04:53: Um ebenfalls eine der späteren Studien zu erwähnen….

00:04:56: als Onphan Lutz und Richard Davidson, die betische Mönche mit jahrzehntelanger Meditationserfahrung in den Scanner legten.

00:05:04: Beobachteten sie auch etwas Unerwartetes?

00:05:07: Die Meditierenden erzeugten nämlich während einer speziellen sogenannten nicht dualen Compassion-Meditation die höchsten Gamma-Oscillation, die übrigens schwer zu messen sind, die je bei gesunden Menschen gemessen worden waren.

00:05:19: Gammarwellen sind das neuronale Korrelat also das was man im Gehirn finden kann.

00:05:24: Integrierte Korrenter Bewusstseinszustände, die ein Gehirn erzeugt dass sich im Zustand hoher Synchronisation befindet.

00:05:32: Ihr wisst das sind hier verschiedene Sektionen des Gehirns und die arbeiten mal mehr Mal weniger zusammen also eine große Synchronisierung dieser verschiedenen Areale.

00:05:42: Das Gehirnen dieser Mönche schien anders zu funktionieren nicht nur während der Meditation sondern das als interessante dauerhaft.

00:05:48: Strukturell hatten sie auch mehr graue Substanz in der vorderen Insula.

00:05:52: Das ist ein Bereich, das für Körperwahrnehmungen sehr wichtig ist und sozusagen die Grenzen des Körpers selbst definiert – also was ist innen?

00:05:59: Was ist außen von mir?

00:06:01: Funktionell war ihre Amygdala-Rüger, amygdaler Aggression Wut

00:06:06: usw.,

00:06:07: ihr präfrontaler Cortexeffizienter, da verarbeiten wir sehr viel Information Default Mode Network, das ist der Netzwerkzustand unseres Gehirns.

00:06:18: Wenn wir nichts gerade tun und mit den Gedanken wandern und ins Tag träumen verfallen – das machen wir übrigens den meisten Teil des Tages zu – gibt es tolle Studien und halten uns irgendwie in unseren eigenen imaginären Welten auf.

00:06:30: Also dieses Default-Mode-Network war ein Normalzustand deutlich weniger aktiv.

00:06:35: Heißt weniger Tagträume?

00:06:36: Heißt also im Schlitt jedenfalls weniger Neigungen zur Depression.

00:06:41: Bei all dem gibt es eine methodisch wichtige Frage, die allerdings – das muss man sagen – bis heute unbeantwortet geblieben ist und sich nicht so ganz einfach vom Tisch wischen lässt.

00:06:53: Solange diese Frage bzw.

00:06:54: diese Einwand nicht vollständig ausgeräumt ist, ist es aus medizinischer Sicht ratsam skeptisch zu bleiben.

00:07:00: Diese Frage dieses Problem lautet liegen die zweifellos belegten Effekte der jeweiligen Formen der Meditation, die dann in einer Studie untersucht wird.

00:07:11: An der Meditation?

00:07:13: Oder liegt es an den Menschen, die für diese Studie ausgesucht worden sind?

00:07:18: Also meditieren diese Menschen weil sie schon vorher eine Besonderheit hatten aufgrund deren Sie sich überhaupt erst entschieden haben mit Meditation zu begehen.

00:07:28: Noch mal anders formuliert kann ausgeschlossen werden dass die Versuchsperson alle bislang unbemergte Besonderheit teilen, die dann zu den positiven Ergebnissen führt.

00:07:39: Auch ohne Meditation!

00:07:41: Hatten die Versuchspersonen bevor sie überhaupt mit der Meditationspraxis begannen?

00:07:45: Schlicht andere Gehirne stichwort Neurodiversität.

00:07:49: Diese Frage ist bis heute nicht so vollständig beantwortet und man sollte Sie bei allen beeindruckenden positiven Ergebnissen der Medrationsforschung zumindest mal im Hinterkopf mitlaufen lassen.

00:08:00: Die dritte Revolution ist die, die gerade beginnt.

00:08:04: Wir stehen an der Schwelle zu einer Wissenschaft, die die Effekte der fortgeschrittenen und langzeit praktizierenden Meditation untersucht.

00:08:12: Das Kling zunächst mal nur nach so einer kleinen Verschiebung ist aber konzeptionell fundamental!

00:08:18: Warum?

00:08:19: Bisherige Forschung hat überwiegend gefragt was bewirkt zu einem achtwochenen MBSR-Kurs –was macht MBS R-, was verändert sich nach hundert Stunden

00:08:28: Praxis?!

00:08:29: Die neue Frage lautet… Was passiert wenn jemand Jahrzehnte lang täglich meditiert.

00:08:36: Was sind die Veränderungen im Leben, im Alltag?

00:08:40: Was ist die möglichen Endpunkte einer solchen Entwicklung Langzeit-Meditierender?

00:08:46: Gibt es Zustände auf alle kontemplativen Tradition dieser Erde – also von Buddhismus bis zu Indigenen – Hinweisen und die wir bis heute kaum je wissenschaftlich untersucht haben?

00:09:05: Eine vor Kurzem erschienene Metastudie von Ehemann, Satchett und Kolleginnen aus dem Meditation Research Programm an der Harvard Medical School fasst zusammen was wir heute über Langzeitmeditierende wissen.

00:09:18: Das heißt meditierende die mindestens, das ist ehrlich gesagt gar nicht so viel, tausend fünfhundert Stunden Meditationserfahrung haben.

00:09:25: Die Autorin weisen darauf hin dass ihr Artikel lediglich eine vergleichende Übersicht über die bereits veröffentlichen Studien bietet also keine neue eigene Datenerhebung mit menschlichen Teilnehmerinnen oder mit Tieren beinhaltet.

00:09:41: Dennoch sind die Ergebnisse bemerkenswert.

00:09:44: Langzeitmeditierende zeigen stärkere kognitive Flexibilität, also die Fähigkeit flexibel zum Beispiel zwischen verschiedenen Einstellungen, verschiedenen Denkmodik zu wechseln und eine tiefere Integration von sensorischer sinnlicher Wahrnehmung und kognitiven Urteil.

00:10:02: Beispielsweise erleben sie Schmerz anders.

00:10:05: Nicht weniger intensiv in der physischen Empfindung, also die werden nicht plötzlich taub, aber Sie empfinden Schmerzen als deutlich weniger unangenehm.

00:10:14: Warum?

00:10:15: Offenbar ist die Verbindung zwischen Schmerzzregistrierungen – oh da tut was weh – und Schmerzdewertung.

00:10:22: Mein Gott!

00:10:23: Ist das schrecklich dieser

00:10:24: Schmerze?!

00:10:24: Diese Verbindung scheint gelocker zu sein... Überhaupt scheint die Verbindung zwischen dem, was das Gehirn registriert – also Sinneswahrnehmung und dem wie es das, was da wahrgenommen wird bewertet insgesamt gelockert zu sein.

00:10:39: Glockertheis ist also Spielraum.

00:10:41: Da kann man selber sozusagen etwas verändern.

00:10:45: Das entspricht dem, was über Meditation traditionell immer wieder behauptet wurde und erlaubt in der Folge tatsächlich mehr Spielraum für andere Bewertungen.

00:10:55: Also zu sagen, der Schmerz ist jetzt vielleicht doch nicht so schlimm und er lässt nach.

00:11:01: Man könnte auch sagen dieses Spiel lässt mehr Freiheit von oder für bestimmte Emotionen und ihre Wahrnehmung.

00:11:09: also wenn man alles normalerweise immer negativ sieht gibt es da Spielrahmen hier und da dran zu drehen und vielleicht doch nicht so eine negative Einstellung zu haben als Beispiel.

00:11:18: Außerdem zeigten Sie eine Tendenz zur rationaleren Entscheidungsfindung, das bedeutet lediglich dass sie zu weniger emotionalen Verzerrungen bei es ist genannt und zu mehr Distanz von kurzfristigen Impulsen fähig sind.

00:11:34: Anders formuliert erscheint ihr selbst fluider beweglicher anpassungsfähiger beziehungsweise formbar.

00:11:42: Man könnte auch sagen, das eigene selbst wird transparenter und durchlässiger.

00:11:46: Der rechte Inferiore-Pazialappen – das ist eine Region die insbesondere räumliche Selbstgrenzen bestimmt – lässt sich bei fortgeschrittenen Meditierenden willkürlich dämpfen, regulieren.

00:12:02: Die Erfahrung kein klar... abgegrenztes selbst zu sein, ist also nicht psychotisch und auch nicht verrückt.

00:12:11: Es ist eine messbare Erfahrung die sich reproduzieren lässt im Studien- und diese Erfahrung korreliert mit erhöhter Empathie und einem reduzierten Intergruppen bei es das heißt den Verzerrungen die ich mit verschiedenen Gruppen in denen ich mich bewege teile.

00:12:28: einfacher gesagt es scheint als seien diese Menschen aufgeschlossener und insgesamt zugänglicher.

00:12:35: Was diese Veränderung zusammenhält, das nennen die Autoren der Studie, die neurophänomenologische Gestalt also das Gesamtbild in dem kognitive Flexibilität im Denken Selbstregulation und nicht du alles gewahrsam als eine korrente Einheit erscheinen.

00:12:56: Offenbar ist das keine bloße Addition einzelner Verbesserungen, also mal hier war es und mal da war es.

00:13:02: Sondern eine bislang wenig Untersuchte vielleicht sogar neue Form verkörperter Kognition.

00:13:09: Also körperlich gewordener Bewusstseinszustände.

00:13:17: Nebenwirkungen die unbequeme Wahrheit.

00:13:20: Aber hier ist das was euch die meisten Meditationsberichte nicht sagen.

00:13:25: Meditation uneingeschränktes Gut, wirkt immer positiv.

00:13:31: Es ist eher so wie mit allen Hilfsmitteln oder allen Medikamenten die wirksam sind was wirksam ist hat Effekte und was Effekter hat kann auch Nebeneffekte oder ungewünschte Nebenwirkungen haben.

00:13:45: Willoughby Britain Psychiatrieprofessoren an der Brown University hat systematisch dokumentiert was sie mal in einem Interview The messy truth about mindfulness nannte also die dunkle Seite der Achtsamkeit.

00:13:57: In einer von ihr erhobenen repräsentativen, recht großen Stichprobe amerikanischer Meditierender berichteten fifty-eight Prozent von unerwünschten Erfahrungen – die waren mal plötzlich, die waren auch mal ein bisschen länger!

00:14:11: Neun Prozent erlebten sogar funktionelle Beeinträchtigungen, also dass die negativen Erfahrungen sich auf ihren Alltag ausgewirkt haben.

00:14:18: Das bedeutet hochgerechnet etwa sechs Millionen Menschen in den USA allein könnten durch Meditationspraktiken beeinträchigt oder sogar geschädigt werden.

00:14:29: Bei Borderline-Störungen, posttraumatischen Belastungsstörungen schweren Depressionen können selbst einfache Bodyscanübungen Das ist noch nicht mal jetzt intensive Meditation, bestimmte Symptome massiv verschlimmern.

00:14:44: Es ist daher im Grunde geboten vor einem längeren Meditationsretreat oder wenn überhaupt jemand mit dem Meditieren beginnt eine Art Fragebogen beantworten zu lassen der schonmal im Vorweg Auskunft gibt über mögliche Störungen oder Traumatter die dann möglicherweise mit dem meditieren hochkommen können.

00:15:05: und Noch etwas hat sich gezeigt Die größte Schulstresserhebung und das größte Antistressprogramm der Geschichte überhaupt mit achttausend Schülerinnen an eighty-fünf Schulen in England zeigte keinen großen Nutzen.

00:15:22: Das sogenannte Myriad Trial, abgeleitet von my resilience in adolescence also meine Resilienz in der Pubertät besteht aus einer Reihe von verschiedenen Publikationen, die alle im Juli- in einem Sonderheft von Evidence Based Mental Health erschienen sind.

00:15:42: Eines der Ergebnisse dieser Studien war dass die Meditations beziehungsweise Achtsamkeitsintervention bei gefährdeten Kindern also Kinder aus zerröteten Verhältnissen beispielsweise sogar negative schädliche Effekte hatten.

00:16:00: warum?

00:16:02: Ein Grund könnte daran liegen, dass schon beim einfachen Body Scan habe ich eben erwähnt die Wahrnehmung für körperliche und psychosomatische Beschwerden also Schmerzen, extreme Verspannungen oder sowas gesteigert wird.

00:16:16: Weil ich ja meine Aufmerksamkeit darauf wende was in meinem Körper passiert Und dann zu einem negativen Effekt führt nämlich zur Wahrnehnung von mehr Schmerz.

00:16:26: Fazit Beachtet man auch die immer wieder auftretenden oder auftretenkönnenden Nebenwirkungen von Meditation, dann ist Meditation wie jede Therapie kein Allheimittel.

00:16:38: Sie wirkt offenbar nicht bei allen auf die gleiche Weise positiv!

00:16:44: Meditation und Achtsamkeit sind wie jede ernsthafte Praxis – also platt gesagt alles was man macht irgendwie wirkungsvoll.

00:16:52: Einige der Wirkungen habe ich eben geschildert und das schließt aber wie bei Medikamenten überhaupt mit ein, dass auch unerwünschte Nebenwirkungen auftreten können.

00:17:01: Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es auch in der langjährigen Meditation immer mal wieder Phasen gibt, in denen es dann geraten sein kann einfach weniger zu meditieren.

00:17:10: Weniger ist manchmal mehr und hilft.

00:17:16: Was die Wissenschaft noch nicht fast und vielleicht nie ganz fassen wird...

00:17:20: Nun komme ich zu dem, worüber Wissenschaftlerinnen eher selten sprechen oder sprechen wollen.

00:17:25: Es gibt nämlich Zustände die von kontemplativen Traditionen weltweit seit über zweitausendfünfhundert Jahren beschrieben werden – insbesondere im Buddhismus.

00:17:34: Wir beginnen offenbar gerade erst damit diese Bewusstseinszustände ernsthaft zu untersuchen.

00:17:40: Dazu gehört übrigens auch dass es vermehrt Studien mit Psilocybien und psychogenen Substanzen gibt aber das ist ein anderes Thema.

00:17:47: Vor allem im indischen Yoga- und buddhistischen Meditationskontexten hat sich ausgefeilte Terminologie und eine psychologische Literatur rund um diese tiefen meditativen Zustände gebildet.

00:18:00: Im Sanskrit heißen die Diana, im Pali werden sie Azijana bezeichnet – ein Begriff der manchmal ins deutsche Übersetz wird mit Glühn oder Brennen.

00:18:10: Gemeint sind bereits in der indischen Yogafilosophie gekannte höhere Bewusstseinszustände der Versenkung oder der sogenannten extatischen Absorption, in denen oft die Außenwahrnehmung schwindet.

00:18:25: Oder auch die Grenze zwischen Innen- und Außen

00:18:27: verschwindet.".

00:18:28: Nach dem Durchschreiten des achten Janas gelangt man dann in einen Zustand, der in der Tradition Niroda Samapatti genannt wird – und als Zustand der Erlöschung bzw.

00:18:41: des willendlichen Aussetzens des gesamten Bewusstseins bezeichnet wird, von dem manchmal erfahrene, sehr erfahrende Praktizierende berichten dass sie in diesem Zustand die Wirklichkeit klarer und geöffneter sehen als je zuvor.

00:18:56: Daher kommt natürlich auch diese Formulierung der Erleuchtungen oder das Erwachens.

00:19:01: Diese nicht dualen Bewusstseinzustände dieses Nicht-duale gewahrsam ist ein Zustand indem die übliche vor allem in logisch begrifflichen Denken vorherrschende Unterscheidung zwischen Subjekt und Objekt aufgehoben ist.

00:19:18: Also die Subjekt-Objektstruktur, mit der wir normalerweise die Wirklichkeit wahrnehmen, die scheint sich zu entspannen, zu verblassen ohne dass das in einen Zustand der Bewusstlauslosigkeit mündet – im Gegenteil!

00:19:32: Dieser Zustand ist verbunden mit höchster Wacherkonzentration und Klarheit.

00:19:38: Was diese Zustände neurophysiologisch kennzeichnen, also das was man von außen zum Beispiel im FMAT beobachten kann ist ein konsistenter Befund nämlich die neuronale Komplexität erhöht sich.

00:19:52: es kommt unter anderem zu einer globalen Konnektivitätsveränderungen, also einer globalen Veränderung der Verbindung zwischen den Gehirnzellen und den verschiedenen Gehirnarrealen die sich auf diese Weise in keinem anderen der uns bekannten Bewusstseinszustände reproduzieren lassen.

00:20:11: Also weder im Schlaf noch in der Narkose noch im Koma.

00:20:14: Wörtlich heißt es in der Studie von Chaudhury und Kolleginnen vom letzten Jahr dass ich bei sogenannte fokussierter Aufmerksamkeitsmeditation, Meditation, Zitat der Einfluss höherer abstrakter Prozesse in der Hierarchie des Gehirns verringern kann.

00:20:32: In dem anhaltende Aufmerksamkeit auf Informationen gelenkt wird die im gegenwärtigen Moment aufgenommen werden zum Beispiel Sinneseindrücke.

00:20:41: Dabei werden diejenigen mentalen Prozessen reduziert die kontrafaktisches und zugleich tiefgreifendes Denken erfordern.

00:20:50: Also, die Vorstellung von Situationen, die anders sind als das was ich gerade erlebe – das ist kontrafaktisch!

00:20:57: Solches Denken setzt ein, zum Beispiel wenn wir grüben.

00:21:00: Wenn wir Angst haben, wenn wir etwas bedauern, wenn mir uns nach Erleichterungen sehen, da müssen wir ja kontrafaktisch arbeiten.

00:21:06: Eine Möglichkeit besteht darin dass das Auftreten sogenannte glückseliger Zustände während der Jhana Meditation durch eine Konnektivität von höher zu niedriger Ordnung erklärt wird ähnlich wie einen extrem vernetztes Gehirn bei psychodälischen Erfahrungen, also Psylizibinen LSD mit verstärkten Gefühlen des Eintauchens und der Selbstauflösung assoziiert wird.

00:21:32: Das war nochmal ein Zitat gerade.

00:21:33: Der Neurowissenschaftler Soran Josipowicz hatte bereits Jahre zuvor gezeigt das sogenannte nicht duale Gewahrseinszustände die gegeneinander gerichtete Wechselwirkung zwischen dem Default-Mode Network, also das ist wie gesagt dieses Netzwerk in das wir normalerweise wenn wir nichts tun versinken und dann ins Tag träumen kommen.

00:21:55: Und einen anderen Netzwerken im Dorsalen Aufmerksamkeitsnetzwerk dass sich diese Spannung zwischen den beiden Netzweraken entspannt und damit genau eine fundamentale Spannungen die normalerweise das Innenleben vom Außenleben trennt.

00:22:12: Das wird durchlässiger, entspannter Fluida.

00:22:15: Was man also sagen kann ist dass sich in diesen Zuständen neurophysiologisch eine messbare Entspannung der normalen Grundarchitektur unseres dualen Erlebens in außen richtig falsch Schmerz kein schmerz richtig falsch offenbart.

00:22:33: und genau das ist es offenbar auch was Meditierende aus der Innsicht also subjektiv als ein Verschmelzen der Gegensätze insbesondere von Subjekt und Objekt wahrnehmen oder von ich und den Dingen.

00:22:45: Allerdings kommt an dieser Stelle dann doch das sogenannte harte Problem der Bewusstseinsforschung zum Tragen, angenommen.

00:22:54: Angenommen!

00:22:54: Es würde uns gelingen von außen jedes beliebige neuronale Muster in unserem Gehirn auch jedes beliebinge neuronale Musta dieser Zustände perfekt zu kartieren.

00:23:07: Dann liebe ich ja immer noch die Frage, warum in Verbindung mit diesen Gehirnzuständen offenbar genau diese subjektive Erfahrung entsteht.

00:23:17: Die wir dann als Erwachen beispielsweise wahrleben von der Meditierende aus der Innsicht berichten.

00:23:23: Diese Frage, die letztlich darauf hinausläuft ist das Wechselspiel zwischen Gehirmprozessen und Bewusstseinszuständens exakt zu verstehen aber diese Frage ist bislang völlig ungelöst.

00:23:36: hat sie Senmeister Dogen, den ich persönlich sehr schätze.

00:23:41: Sowohl als Senmeester wie als Philosophen schätze ich ihn ist in einem seiner berühmten Texte dem sogenannten Genjokoren im dreizehnten Jahrhundert so beschrieben und ich finde die Beschreibung wirklich super!

00:23:52: Die Wahrheit des Buddha zu erkennen also das heißt die Wahrheit dessen was sich auf dem Weg der Meditation erschließt bedeutet uns selbst zu erkennen und selbst zu erkennen bedeutet und selbst zu vergessen.

00:24:08: Und selbst zu Vergessen bedeutet von den Zehntausend Dingen, also der ganzen Wirklichkeit, erfahren zu werden – das heißt die Dinge erfahren uns nicht wie sie!

00:24:17: Von den Zehntausenden Dingen erfahren zu werde bedeutet unseren eigenen Körper- und Geist sowie den Körper-und Geist der äußeren Welt loszulassen.

00:24:27: Es gibt einen Zustand in dem die Spuren der Verwirklichung vergessen sind und er offenbar die Spuren der vergessenen Verwirklichung für eine lange, lange Zeit.

00:24:41: Und jetzt

00:24:42: was wissen wir wirklich?

00:24:44: Was wir wissen ist Meditation wirkt bei Angst Schmerz Depression und Sucht.

00:24:48: gibt es robuste klinische relevante Evidenz?

00:24:52: Wir wissen außerdem das Gehirn verändert sich oder kann sich verändern durch Meditation.

00:24:57: allerdings muss man hinzufügen Diese Veränderungen sind zwar messbar, aber es gibt auch messbare Veränderung des Gehirns wenn wir anfangen Klavier zu spielen oder eine Sportart zu erlernen.

00:25:07: Wir wissen weiter fortgeschrittene Meditation erzeugt Zustände die sich von allen anderen bekannten Bewusstanzzuständen die wir bislang untersucht haben unterscheiden und die mit vertiefter Empathie verringerten Ich-Gefühl und erhöhtem Wohlbefinden zur Friedenheit Gelassenheit korreliern.

00:25:28: Meditation kann Nebenwirkungen haben, die systematisch erfasst und nicht ignoriert werden dürfen.

00:25:34: Und wir wissen – und das ist vielleicht das Wichtigste überhaupt – dass wir gerade erst beginnen, die richtigen Fragen zu stellen.

00:25:41: Bislang wurde ja vor allem gefragt, ja hilft denn Meditation bei Stressabbau?

00:25:46: Inzwischen fragen wir nicht zuletzt auch philosophischer wie verändert sich eigentlich das menschliche Bewusstsein wenn wir es auf diese Art und Weise über Jahrzehnte hinweg kultivieren?

00:25:57: welche Entpunkte, Entzustände sind da möglich.

00:26:01: Was sind die Grenzen unseres selbst und sind diese Grenzen veränderbar?

00:26:06: Das ist ja eine Frage, die zum Beispiel bei den ganzen Transformationsbewegungen, Transformationsveränderungen, die auf uns zukommen unbedingt wichtig sind.

00:26:19: Fragen wie diese haben aufgehört rein esoterische oder religiöse Fragen zu sein.

00:26:25: Es sind Fragen auf die eine empirische Antwort erwartet werden kann durch weitere Forschung, obwohl wir außerhalb vor allem der ausgefeilten buddhistischen Theorien noch über keine umfassende Erklärung all dessen verfügen.

00:26:41: Die Wissenschaften, die all diese Fragen zu beantworten suchen, stecken ehrlich gesagt auch in den Kinderschuhen.

00:26:47: Und trotzdem ist erstaunlich was wir heute bereits darüber wissen im Unterschied zur derzeit als die ersten Pioniere im Westen mit buddhistischer Meditation begann.

00:26:57: Aber ihr habt ja versprochen keine Werbung und Tschüss!

00:27:04: Gertz-Gobel, produziert von der Pro Bono Fernsehproduktion GmbH.

00:27:08: Postproduktion Rene Fischell Musik Pascal Hadré Sprecherin Kimplette Meier.

00:27:13: Finanziert wird dieses Projekt von der gemeinnützigen Stiftung AVE dem Institut für Achtsamkeit Verbundenheit und Engagement.

00:27:21: Den Link dazu findet ihr in der Folgenbeschreibung.

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