Du vertraust Bildern immer noch? – scobel 

Shownotes

Wir fotografieren ständig. Unser Essen, unsere Reisen, unsere Gesichter, unseren Alltag. Aber was passiert eigentlich mit unserem Verhältnis zur Wirklichkeit, wenn jedes Bild bearbeitet, erzeugt oder sogar komplett von KI erschaffen werden kann?

Wir gehen auf eine philosophische Reise durch die Geschichte der Fotografie: Von Robert Doisneau und Roland Barthes bis zu KI-generierten Bildern und digitalen Illusionen. Was bedeutete ein Foto früher? Warum galten Fotografien einmal als Beweis der Realität? Und weshalb könnte genau dieses Vertrauen heute zerbrechen?

Wir untersuchen die tiefere Verbindung zwischen Fotografie, Wahrheit, Erinnerung, künstlicher Intelligenz und unserer digitalen Gegenwart. Es geht um Realität und Täuschung, um KI als „magischen Spiegel“ unserer Wünsche, Ängste und Projektionen sowie um die Frage, ob wir in einer Welt aus Bildern noch lernen können, wirklich hinzusehen.

📅 Neue Ausgaben immer donnerstags, 19 Uhr.

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0:00 👉 Intro
0:56 👉 Die Fotografie des Alltags
5:12 👉 Der eingefrorene Moment
8:20 👉 Digitale Realitäten und ihre Gefahren
13:26 👉 Von der Zeugenschaft zum magischen Spiegel

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Moderation, Recherche & Skript: Gert Scobel
Zeichnungen: Claus Ast
Eine Produktion der probono Fernsehproduktion GmbH: Anja Görner, Friedrich Küppersbusch, Jürgen Ohls, Kim Plettemeier, Maxie Römhild und René Fischell
Mit Unterstützung von: Alexander Hollmer, Annluise-Sophie Schröter, Arne Clasvogt und Pascal Hadré
Finanziert wird dieser Kanal vom gemeinnützigen AVE Institut für Achtsamkeit, Verbundenheit, Engagement (🔗 https://ave-institut.de/).

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Fragen und Anregungen gerne jederzeit per Mail an scobel@probono.tv. Und Tschüss.
#scobel

Transkript anzeigen

00:00:00: Vor kurzem war ich in belgischen Liège lütisch und zwar in der Musee de la Bouverie, wo eine beeindruckende Fotografie Ausstellung gezeigt wurde mit dem Titel Echte Momente.

00:00:12: Ihr ahnt es?

00:00:14: Damit ging das nachdenken über Fotografielos, den mich übrigens beruflich viele Jahre lang begleitet hat weil ich in die Dokumentarfilme, die ich damals für AD WDRHR drehte eigene Fotografien eingebaut habe.

00:00:25: Thema dieser Ausgabe jedenfalls sind einige Bemerkungen über das, was man vielleicht so eine Art philosophische Skizze über Fotografie nennen könnte.

00:00:33: Ausgangspunkt ist dabei zunächst die Ausstellung, die ich gesehen habe und zum anderen die unglaubliche Flut digitaler überarbeiteter Fotografin, die wir ja tagtäglich in die Welt setzen und nach eigenem Geschmack Bilder schönen, beinahe täglich im Übermaß produzieren.

00:01:12: und zeigte Fotografin von Robert Duaneau.

00:01:16: Duaneo geboren in dem Jahr und gestorben im Jahr war einer der wichtigsten Fotografen des zwanzigsten Jahrhunderts, gezeigt wurden thematisch geordnet rund vierhundert Aufnahmen von den Anfängen seiner Karriere in den dreißiger Jahren bis zum Späbwerk.

00:01:30: Fast alle von euch werden mindestens ein ikonisches Foto von Juanjo schon mal gesehen haben.

00:01:34: Nämlich der Kuss, eine Aufnahme aus dem Jahre nineteen Hundertfünfzig.

00:01:39: Zu sehen ist auf der Rue Rivoli vor dem Hotel de Ville in Paris.

00:01:43: ein scheinbar sich zufällig aber leidenschaftlich küssendes Paar platziert vor dem Rathaus von Paris unscharfe im Hintergrund.

00:01:50: Es gab eine Menge Legenden und auch Gerichtsprozesse über dieses Bild.

00:01:54: Und um das Geheimnis zu lüften, der Kuss war eine Auftragsarbeit und das Paar kein zufälliges Paar sondern ein Schauspieler und eine Schauspielerin mit denen Duano befreundet war und die erbart für einen Tag lang sein für ihn Modell zu sein.

00:02:09: Ikonisch sind ebenfalls einige der Porträts von Picasso sowie überhaupt einige der seiner Künstlerfreundinnen und Freunde aus Paris.

00:02:19: Nur gilt als Hauptvertreter der sogenannten humanistischen Fotografie, und tatsächlich interessierte ihn bei seinen täglichen langen Streifzügen mit der Rollerflex durch Paris zunächst vor allem das alltägliche Leben auf der Straße – die Feste!

00:02:34: Die Kinder zum Beispiel, denen in Trümmergrundstücken spielten Aber auch später dann seine Arbeit als Werksfotograf bei Renault oder die Dokumentation der Arbeiter und Arbeiterinnen im Umfeld der Hochöfen des lötlicher Kohlereviers.

00:02:47: Die humanistische Fotografie wendet sich meist in schwarz-weiß, bewusst dem Alltags zu – und nicht den einmaligen sensationellen Ereignissen!

00:02:57: Das hatte sowohl einen philosophischen als auch einen ästhetischen und ökonomischen Aspekt, denn solche Alltagsbilder konnten nach dem Krieg in Frankreich sowohl an die kommunistische wie an die katholische Presse sehr gut verkauft werden.

00:03:10: Sie verloren anders als die Eventfotografien ihren Gebrauchs und damit auch verkaufswert, weitaus weniger.

00:03:17: Und hatten darüber hinaus ein starkes Identifikationspotenzial.

00:03:21: Sie entsprachen nämlich dem Bedürfnis der Franzosen nach dem Krieg die Ereignisse durch die deutsche Besatzung zu vergessen.

00:03:29: Neue Bilder vom Alltag wirkten befreiend indem sie diese Bilder an die Stelle der alten Erinnerungen und der Zerstörung rücken eine Vorstellung vom neuen Französestein und vom französischen Leben, insbesondere natürlich in Paris zu entwickeln.

00:03:46: Eine Vorstellung die sich dann auch im Ausland verbreitete.

00:03:49: Dazu gehörte ganz bewusst Paris als statt der Mode der Kunst der Liebe.

00:03:55: aus dem Blick auf das Alltägliche den die humanistische Fotografie kultivierte, lässt sich in meinen Augen etwas für unsere Zeit Wichtiges gewinnen.

00:04:04: Wenn man nämlich Duanos eigene Aussagen paraphrasiert der sich über seinen Fotografieren in zahlreichen Zeitungen aber auch Fernsehinterviews geäußert hat und nur mal nebenbei bemerkt wirklich ein äußerst sympathischer freundlicher zugewannter Mensch gewesen sein muss formulierte er seine humanistischen Haltung der Fotografien etwa so wie gesagt Paraphrase Beobachte dein Leben mit der Geduld eines Anglers.

00:04:31: Lasse immer die Tür für das Unerwartete offen stehen, bleibe stehen wenn du aufgefordert wirst zu gehen gerade wenn es so scheint als gäbe es überhaupt nichts mehr zu sehen.

00:04:41: Blicke mit gleichem Interesse sowohl auf die Mächtigen wie auf die Elenden.

00:04:47: Wende deine Linse nicht ab wenn du mit Unglück Armut oder Verzweiflung konfrontiert bist sondern bewahre stattdessen einen Blick der Solidarität und der Komplizenschaft.

00:04:57: Denn das ermöglicht es dir, auch in dieser Lage Mut, Würde und Anmut in jedem Menschen zu erkennen.

00:05:05: Sammle Momente der Begegnung und des Talents die ein Lächeln oder ein Lachen hervorrufen und trösten können!

00:05:18: Der französische Philosoph und Literaturkritiker Roland Bacht wies in seinem Buch die helle Kammerbemerkung zur Fotografie darauf hin, dass jedes Foto nicht nur die Dimension eines kulturellen bereits erworbenen Sinns für Bilder- und Bildgestaltung voraussetzt.

00:05:34: Er nannte dieses Element Studium.

00:05:38: auch ein zweites Element gibt es das er für entscheidend hielt den sogenannten Punktum, das Gespür für jenen entscheidenden Augenblick der uns persönlich trifft und ebenso unvorhersehbar ist wie auch unvermeidlich.

00:05:52: Das Punktum einer Fotografiesobart ist das Zufällige an ihr, dass einen besticht und je nachdem was man da sieht sogar verletzen kann.

00:06:01: unter all dem liegt jedoch noch eine weitere tiefere physische Dimension die jedes Foto zum Beispiel von einem Gemälde unterscheidet.

00:06:10: Der amerikanische Philosoph und Mathematiker Charles Sanders Pears hatte darauf hingewiesen, dass eine Fotografie anders als jedes Gemälde kausal mit ihrem Sugeh verbunden ist.

00:06:23: Das Licht einer bestimmten Fütze, das Licht eines bestimmten Gesichts in diesem Moment, den man jetzt mit einem Foto festhält.

00:06:31: All das – all diese Dinge oder Ereignisse hängen auf eine direkte Weise mit dem Licht zusammen, dass es im diesen Moment von den Dingen ausgeht und einen chemischen Eindruck, eine chemische Veränderung auf dem Film meines Fotoapparats hinterlässt.

00:06:50: einem einzigen Raumzeugkontinuum mit dem Film, mit mir war, traf als Teil der Wirklichkeit durch ein wirklich vorhandenes Objektiv auf einen in diesem Moment dort befindlichen Film und belichtete diesen.

00:07:03: Licht- und Fotografie waren also Teil einer einzigen gemeinsam geteilten Wirklichheit die denjenigen, der das Foto macht und auslöst für den Bruchteil einer Sekunde mit eingefangen hat.

00:07:15: Fotos sind daher reale Teile der Wirklichkeit, Spuren und Abdrücke von etwas – das ist oder doch genauer dass das war aber auf dem Foto-Papier eine Veränderung bewirkt hat und damit einen Abdruck hinterlassen hat.

00:07:27: Der bleibt so lange es das Foto gibt.

00:07:30: Wirklichheit und Zeit scheinen dann für uns wie eingefroren zu sein.

00:07:34: Roland Bach hat diese Temporalstruktur in die Hellekammer mit dem Begriff Sa Aet bezeichnet So gewesen.

00:07:43: Das Foto ist der Beweis einer gewesenen Anwesenheit und damit paradoxerweise, wenn wir es in der Gegenwart betrachten, zugleich auch das Zeugnis der Abwesenhalt dessen was es zeigt.

00:07:56: denn das was es zeigt ist ja Vergangenheit.

00:08:04: Fotografie erkennt, dass der oder die Abgebildete jetzt tot ist.

00:08:08: Erlebt das Foto trotzdem als eine Art Zeitmaschine, die in die Vergangenheit führt und die in Erinnerung bringt aber zugleich auch die Unwiederrufbarkeit des Endes sichtbar macht.

00:08:28: Daraus ergeben sich mindestens mal drei philosophisch interessante Aspekte.

00:08:32: Ist das analoge Foto im wörtlichen Sinn eine Spur der Zeit und all dessen, was in einem Moment tatsächlich war?

00:08:38: Denn das Foto ist das Licht der Situation selbst, dass die Moleküle auf einen Träger verändert hat.

00:08:44: Das digitale Bild hingegen ganz anders beruht nicht zwingend auf einem solchen Ereignis sondern ist so oder so das mehr- oder weniger beliebige Ergebnis einer Berechnung.

00:08:57: Beides analoges und digitales Bild sind zwar Ergebnisse einer Konstruktion, also mithilfe einer Kamera oder mit Hilfe eines digitalen Systems.

00:09:08: Aber das analoge Foto hat eine physische Kontinuität mit seinem Sugeh, die das digitale überhaupt nicht zwingend besitzt und oftmals auch vollkommen verloren hat.

00:09:20: Und das verändert die Ontologie des Bildes komplett!

00:09:22: Im digitalen Bild ist jeder einzelne Pixel durch eine bestimmte Zahl definiert – die beliebig vorher oder hinterher verändert werden kann oder auch erfunden werden kann.

00:09:35: Das digitale Bild kam völlig verlustfrei kopiert, verändert gefälscht werden ohne dass zunächst ein Eingriff überhaupt sichtbar bemerkbar wäre.

00:09:46: Das digitale Foto beweist also überhaupt nichts mehr!

00:09:48: Es zeigt nicht einmal mehr notwendig das irgendwann irgendwas real existierte hat weil es tatsächlich vor einer Kamera war ist gar nicht nötig.

00:09:56: natürlich kann man auch analoge Bilder also Bilder die auf Film beruhen fälschen aber erstens mit sehr viel mehr Aufwand zweitens deutlich leichter nachweisbar und drittens nicht vollständig künstlich zu erzeugen, also ein ganzes Bild auf die Art und Weise zu machen ist ziemlich unmöglich.

00:10:16: Was dieser Unterschied der mit der Konstruktion der Wirklichkeit selbst zu tun hat am Ende bedeutet ist heute würde ich sagen noch nicht so ganz zur Ende gedacht.

00:10:26: klar ist nur dass die Philosophie der Fotografie unter diesen Bedingungen neu gedacht und geschrieben werden muss Und Charles Sanders Pears hatte das Foto ja einst als Index beschrieben.

00:10:38: Damit meinte er, dass es weder ein Symbol ist – also, dass irgendeine Bedeutung mit sich trägt – noch einen Eiken, das durch seine Ähnlichkeit auf etwas in der Wirklichkeit verweist.

00:10:50: Ein Foto war für ihn der physische Abdruck einer Realität, kausal mit dieser Verbunden sowie einem Fußabdruck im Sand, mit dem Fuß verbunden gemacht hat und dann hinterlässt.

00:11:05: Dieses indexikalische Versprechen der Fotografie galt als das epistemologische Fundament der Fotographie, dass inzwischen längst nicht mehr tragfähig ist.

00:11:17: was mich zum zweiten Aspekt bringt.

00:11:20: wenn eine Fotografi heute keine Spur der Wirklichkeit und erst recht kein physischer Abdruck eines realen Nichts mehr sein muss sondern vollkommen das Ergebnis einer Berechnung, das heißt eines rein virtuellen Lichts sein kann.

00:11:37: Das dann den fotografischen Schein eines Seins hervorbringt.

00:11:42: Welchen Status haben denn die Milliarden von Bildern, die jeden Tag gemacht und hochgeladen werden?

00:11:48: Und uns auf Abruf umgeben sollten wir sie als lediglich gemeinte Realität wahrnehmen, als Dinge die jedoch keineswegs zwingend wirklich real sind.

00:11:59: Also nicht zwingt mit einer abgebildeten Wirklichkeit verbunden sind.

00:12:04: Sollten wir uns also angewöhnen in Zukunft all das was uns digitale Bilder zeigen, als bloßen Verweis zu verstehen?

00:12:12: Als eine Andeutung oder Interpretation, die wir positiv als reine Konstruktion oder negativ als Lüge- oder sogar Betrugsversuch deuten könnten.

00:12:22: Und hier schließt sich der dritte philosophisch relevante Bereich ethischer Fragestellungen an, denn das einfache Fotografieren mit digitaler Technik mündet nicht nur in eine Reihe von ästhetischen und erkenntnistheoretischen Fragen sondern ruft auch ethische Fragen auf den Plan.

00:12:39: Welche Folgen hat es die Wirklichkeit mit rein virtuellen Bildern aufzuladen?

00:12:45: Und die Wirklichkeit zu ergänzen, die wir im Zweifelsfall dann nicht mehr von der Realität selbst unterscheiden können.

00:12:54: Unter welchen Umständen ist es beispielsweise auch gerechtfertigt, andere Menschen Glauben zu machen?

00:13:00: So ein Bild sei real und bildet die Wirklichkeit ab!

00:13:03: Ist es in Ordnung, Menschen auf diese Art und Weise in die Irre zu

00:13:07: führen?".

00:13:07: Und dann stellt sich eine Frage, die auch die analoge Fotografie betrifft und über Jahrzehnte immer wieder von BerufsfotografInnen diskutiert wurde – ob man nicht eine elende Wirklichheit statt sie zu fotografieren und zu dokumentieren, in genau diesem Moment lieber verändern sollte.

00:13:33: Bislang hatte vor allem die Fotografie ein philosophisches Versprechen in sich getragen dass sie gegenwärtig nicht mehr richtig einlösen kann das Versprechen objektiver Zeugenschaft unabhängiger Abbildung der Wirklichkeit.

00:13:48: Fotos haben aufgehört Beweismittel zu sein Und doch beansprucht nach wie vor kein anderes Bild-Medium diesen Anspruch auf Wahrheit so entschieden, wie die Fotografie.

00:13:59: Also wie Bilder, die etwas zeigen und nur zur Erinnerung ein Gemälde trägt natürlich den Pinselstrich eines Malers als objektiv sichtbare Spur seiner Subpektivität.

00:14:11: Die Hand, die gemalt hat, hat im Bild indirekt seine Spur hinterlassen.

00:14:16: Die Frage ist, ob nicht gerade dieses subjektive aber Völlig reale Element, weil da ein wirklicher Mensch ja was gemalt hat.

00:14:24: Heute das bestechendste Merkmal von künstlerischer Wirklichkeit überhaupt ist!

00:14:28: Damit scheinen sich subjektive und scheinbar objektive Bedeutung der Bildlichkeit in ihrem epistemischen also erkenntnismäßigen Status geradezu umgekehrt verkehrt zu haben.

00:14:39: Das subjektiv gemalte Bild eines Apfels kann im Vergleich mit dem digitalen Bild eines apfels bei weitem das realere und objektivere sein weil es die Anwesenheit eines Subjekts zeigt und nicht leugnet.

00:14:54: Das digitale Foto verrät nichts über den oder diejenigen, die's produziert hat – das kann jeder irgendwo erfunden haben!

00:15:01: Dennoch hält sicher hartnäckig die Idee dass das Foto irgendwie ja doch ein Beweismittel dessen sei.

00:15:08: was war vergleichbar zum Beispiel mit einem Datenpunkt in der Wissenschaft oder einem Beleg im Journalismus?

00:15:16: Tatsächlich muss die Gleichsetzung von fotografischen und faktischen aufgegeben werden.

00:15:22: Statt von einem Bild zu sagen, es sei der Beweis das seine Ereignis stattgefunden hat müssen wir heute sagen dass hier ist ein Bild was behauptet Es hätte eine Eregnis gegeben.

00:15:35: Ist es möglich?

00:15:37: Die amerikanische Philosophin, Kritikerinnen und Filmemacherin Susan Sontag machte in ihrer Essay-Sammlung über Fotografie dem originalen, die siebenundsiebzig erschienen folgenden Vorschlag.

00:15:49: Während ein Gemälde oder einen Prosatex also im Romanz zum Beispiel nie etwas anderes sein könne als eine eng begrenzte selektive Interpretation oder Wahrnehmung der Wirklichkeit könne man eine Fotografi als eine narrow selective Transparency behandeln als ein eng bezogenes, transparentes Spiegelbild.

00:16:12: Fotografien schreibt Sonntag bleiben keine Ausnahme in dem meist etwas anrühchigen Gewerbe das zwischen Kunst und Wirklichkeit angesiedelt ist.

00:16:22: Fotographien wirken wie Spiege.

00:16:24: Damit hat Sonntags im Grunde eine passende Formulierung für die Wirklichkeit gefunden der wir auch in KI-Systemen begegnen und den Bildern die KI Systeme erzeugt.

00:16:34: Solche Systeme und die von ihnen generierten Objekte, Bilder, Aussagen, Handlungen wirken wie Spiegel.

00:16:41: Warum?

00:16:42: Naja sie spiegeln uns selbst unsere Wirklichkeit wieder – Sie sind ja aus unseren Daten generiert, ob wir das wollen oder nicht!

00:16:50: Und den Spiegl, den sie uns vorhalten, beinhaltet oberflächlich sichtbare, sondern bezieht auch den gesamten Bereich unserer Imagination.

00:16:59: Unsere Vorstellung Träume Gefühle Halluzination mit ein Warum?

00:17:05: All das ist ja mehr oder minder versteckt Auch in die Daten eingeflossen und Mit diesen Daten werden Ja unsere kis gefüttert Und sie werden mit diesem Daten trainiert.

00:17:14: mehr noch KI Systeme sind In der Formulierung des Philosophen Markus Gabriel nicht nur einfache Spiegelungen Beagle von uns selbst, sondern magische Spiegel.

00:17:26: Und dieser magische spiegel ist gigantisch groß!

00:17:30: Denn er wird abgebildet durch die gesamte digitale Infrastruktur bestehend aus Firmen ihren rechenzentrenden Internet und den Endgeräten auf denen wir uns dann mit der KI austauschen und zum Beispiel unsere Fotos machen.

00:17:43: All das bildet einen interaktiven magischen Spiegl von uns.

00:17:49: Wer den Film Solaris von Regisseur Andrzej Takowski kennt, der ahnt wie das aussehen kann.

00:17:57: Worum geht es?

00:17:59: was in dem Film für den Helden?

00:18:03: Der die Oberfläche eines fremden Planeten von der Umlaufbahn aus erforschen soll?

00:18:08: zunächst wie eine außerirdische Wirklichkeit.

00:18:11: dieses Planeten erscheint gesteuert von fremdem Wesen erweist sich in Wahrheit mehr und mehr als eine Spiegelung seiner eigenen inneren Zustände zu einem Raumschiff.

00:18:21: Auf der Oberfläche des Planeten spiegeln sich seine eigenen Gedanken, Wünsche und Träume.

00:18:27: Und was er zunächst als fremdes Bewusstsein erlebt, erweist sich lediglich als Spieglung seines eigenen.

00:18:35: Diese Spiege zeigt uns also unsere eigene Innerlichkeit – und deshalb verändert er sich auch mit uns.

00:18:41: Genau das machen KI-Systeme!

00:18:43: Und genau das macht ihre magische Qualität aus.

00:18:46: Wörtlich schreibt Markus Gabriel, die gegenwärtigen KI-Systeme – Zitat!

00:18:51: – werden mit Daten gefüttert, die aus den ästhetisch orchestrierten Interaktionen von Milliarden Menschen stammen als Likes, Bildern, Texten und Gesten.

00:19:01: Das macht sie zu magischen Spiegeln unserer Seele.

00:19:05: Sie reflektieren nicht wer wir rational zu sein glauben sondern was wir emotional tun, begehren Ausdrücken.

00:19:14: Die KI ist künstlich nicht nur im technischen, sondern ebenso im ästhetischen Sinn.

00:19:20: KI AI wird somit von der Accelerated Intelligence zur Alien Intelligence.

00:19:27: Damit es gemeint dass das vermeintliche Fremde ganz und gar andere oft aus unseren eigenen Projektionen engsten und wünschen entsteht.

00:19:36: was wir in einer KI einem außerirdischen Ozean oder einer Fiktionalen Entität erkennen sind immer auch Interpretation, die wir selbst dort hineinlegen.

00:19:48: Objektivierte Selbstbilder.

00:19:51: Zitat Ende!

00:19:52: Die Begegnung mit dem anderen den Aliens führt uns also möglicherweise weniger zur Einsicht in eine völlig fremde Intelligenz oder ein fremdes Bewusstsein als vielmehr zu einer vertieften Einsicht im unserer eigenen Denken und das ist übrigens auch mit Fotografie so... Insofern machen wir einen Fehler, wenn wir glauben einerseits unsere Wirklichkeit tatsächlich ganz zu überblicken und durchschauen zu können.

00:20:16: Und andererseits glauben in KI-Systemen eine fremden Intelligenz zu begegnen.

00:20:22: All diese digitalen Projektionen sind Spiegelungen.

00:20:26: In Wahrheit handelt es sich um hochkomplexe Daten bzw.

00:20:30: Datensätze unseres eigenen Verhaltens unserer eigenen Denk- und Gefühlswelten die in diese Daten einfließen.

00:20:38: produziert haben, aber in dieser Form und Fülle bislang weder überschau noch durchschaubar sein können.

00:20:46: Das was wir in den KI-Systemen sehen verändert sich nicht nur mit dem technologischen Fortschritt sondern auch mit unserer Innenwelt.

00:20:55: all das was wir sehen wenn wir mit einem KI System kommunizieren sind geschickt an unsere jeweilige Stimmung angepasste oder vielmehr dazu passend gemachte Selbstprojektion und die KI-Systeme sind ja inzwischen sehr schlau zu erkennen, was wir gerade wollen.

00:21:10: Stichwort emotionale KI.

00:21:12: Verrückt ist daran vor allem dass wir selbst die Arbeit der Anpassung und Interpretation nicht mehr wahrnehmen weil es nicht mehr unsere eigene ist obwohl sie uns hier spiegelt.

00:21:23: so jetzt nochmal zurück zur Fotografie.

00:21:26: So bedeutsam Fotografi und Film Heute sowohl ästhetisch, wie auch als Kunstform oder auch dokumentarisch sein können.

00:21:35: Die fotografisch vermittelte Erkenntnis kann letztlich nie ethische oder politische Erkenntnisse

00:21:41: sein.".

00:21:42: Das schrieb Susan Sontag in ihrem Essieband über Fotografie.

00:21:46: Denn die durch fotosvermittelte Erkennisse – so sehr sie auch unser Gewissen jeweils zu beunruhigen oder zu beruhigen vermarkt ist eine zu Ausverkaufspreisen, ein abklatschter Erkenntnis und der Weisheit wie auch der Akt des Fotografiens nur scheinbare Aneignung ist.

00:22:08: Die Allgegenwart von Fotografin hat eine unberechenbare Auswirkungen auf unsere Fähigkeit ethisch zu empfinden.

00:22:16: Das Bedürfnis nach Bestätigung der Realität und Ausweitung des Erfahrungshorizontes ist ein ästhetisches Konsumverhalten dem heute jedermann verfallen.

00:22:28: Die Industriegesellschaften verwandeln ihre Bürger in Bilder süchtige.

00:22:33: Dies ist die unwiderstehlichste Form von geistiger Versäuchung.

00:22:38: Im Wunsch, dauerend festzuhalten und Fotos dann auch in die Welt raus zu posten drückt sich eine Sehnsucht aus – eine Seahnsucht nach Schönheit, Dauer, Verständigung und vielleicht auch Versöhnung mit etwas das mehr als die Oberfläche der Dinge is'.

00:22:56: Aber zugleich hat der Drang zum Fotografieren auch was Zwanghaftes.

00:23:00: Susan Sonntag schließt ihren Essay mit folgenden Gedanken, der lange vor dem Internet Zeitalter entstanden ist aber nicht aktueller sein könnte – eine Erfahrung zu machen wird schließlich identisch damit ein Foto zu machen und an einem öffentlichen Ereignis teilzunehmen.

00:23:19: Heute ist alles dazu da auf einem Foto.

00:23:23: Nehmt man diesen Gedanken ernst, dann zeigt die Duanou-Ausstellung vor allem eins.

00:23:29: Wie wichtig es ist den Alltag zu erleben – teilzunehmen und zwar mit einem freundlichen, einem humanistischen Blick!

00:23:37: Es käme jetzt also darauf an der hat humanistisch gestimmt ohne Foto aber Rat, ohne Handy eine Stadt oder kurz das alltägliche Leben durchdringend zu erlebten.

00:23:49: Und Tschüss!

00:23:53: Gertz-Gobel, produziert von der Pro Bono Fernsehproduktion GmbH.

00:23:57: Postproduktion Rene Fischell Musik Pascal Hadré Sprecherin Kimplette Meier.

00:24:02: Finanziert wird dieses Projekt von der gemeinnützigen Stiftung AVE dem Institut für Achtsamkeit Verbundenheit und Engagement.

00:24:10: Den Link dazu findet ihr in der Folgenbeschreibung.

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