Warum Politik heute immer komplizierter wird – scobel

Shownotes

Heute geht es um die Frage, warum selbst hervorragend begründete Expertengutachten häufig nicht zu guter Politik führen. Ausgehend von Aristoteles' politischer Philosophie untersuchen wir, warum das Gemeinwohl mehr verlangt als die bloße Summe wissenschaftlicher Expertise und weshalb moderne Demokratien mit wachsender gesellschaftlicher Komplexität zunehmend an ihre Grenzen geraten.

Was bedeutet Gemeinwohl? Welche Rolle spielen Wissenschaft, Philosophie, Expertenräte, Demokratie und politische Urteilskraft? Und warum könnte gerade die Philosophie helfen, aktuelle Reformdebatten besser zu verstehen? Anhand von Beispielen aus der Gesundheits-, Klima- und Bildungspolitik zeigt dieses Video, weshalb nachhaltige Entscheidungen mehr brauchen als Daten allein.

📅 Neue Ausgaben immer donnerstags, 19 Uhr.

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0:00 👉 Intro
3:36 👉 Aristoteles und der Sommer der Reformen
6:01 👉 Die Kunst, das Ganze im Blick zubehalten
12:35 👉 Deutschland und die Herausforderung der Komplexität
21:34 👉 Wer sorgt für das Wohl des Ganzen?

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Quellenangaben zu zitierten Aussagen: Sachverständigenrat Gesundheit & Pflege, Bundesgesundheitsministerium, Stand Mai 2025; Expertenrat für Klimafragen, Prüfbericht Treibhausgasemissionen 2025, veröffentlicht Mai 2026 (Barbara Schlomann, Fraunhofer ISI, Ratsvorsitzende); Spitzenverband GKV, Stellungnahme an den Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestages, Anhörung 17. Dezember 2025 / Beratung Februar/März 2026; Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz (KHVVG), in Kraft getreten Ende 2024, Bundesgesundheitsministerium.

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Moderation, Recherche & Skript: Gert Scobel

Zeichnungen: Claus Ast

Eine Produktion der probono Fernsehproduktion GmbH: Anja Görner, Friedrich Küppersbusch, Jürgen Ohls, Kim Plettemeier, Maxie Römhild und René Fischell

Mit Unterstützung von: Alexander Hollmer, Annluise-Sophie Schröter, Arne Clasvogt und Pascal Hadré

Finanziert wird dieser Kanal vom gemeinnützigen AVE Institut für Achtsamkeit, Verbundenheit, Engagement (🔗 https://ave-institut.de/).

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Fragen und Anregungen gerne jederzeit per Mail an scobel@probono.tv.
Und Tschüss.
#scobel

Transkript anzeigen

00:00:00: Aufgabe der Philosophie ist es unter anderem immer wieder Fragen zu stellen, Fragen die andere also leicht vergessen.

00:00:06: Fragen über dem viele einfach abwähnten weil sie möglichst schnell zur Tagesordnung übergehen wollen und Fragen die zu philosophisch klingen um überhaupt ernst genommen zu werden.

00:00:16: Gleich am Anfang der nikomachischen Ethik von Aristoteles findet sich eine solche Kluhe auf fatale Weise immer wieder aktuelle Frage einer dieser Fragen die leicht an einem vorbei gleiten ohne dass man bemerkt wie scharfe Zähne diese Frage hat.

00:00:31: Jede Kunst, sagt Aristoteles, jede Untersuchung jedes Handeln und Streben zielt auf etwas – und zwar auf ein Gut!

00:00:41: Der Bogenschütze zielt die Scheibe, der Arzt zieht auf die Gesundheit, der Erfelter ziehlt auf den Sieg… Und all das kann man durch den ganzen Katalog des gesamten menschlichen Strebens durchgeklinieren.

00:00:55: Telos oder Ziel.

00:00:56: Und wer dieses besondere Gut verfolgt, erwirbt eine besondere Form des Wissens – Technee das Expertenwissen des Handwerkers zum Beispiel oder der Handwerkerin die versteht wie man gut ans Ziel kommt und einen wunderbaren Schrank herstellt!

00:01:13: Und die Frage?

00:01:14: Na, die stellt Aristoteles klar und deutlich.

00:01:17: Sie ist zweitausendfünfhundert Jahre alt – und aktueller denn je!

00:01:20: Das Erstaunliche daran ist, dass sie nicht nur auf die Politik seiner Zeit und die Athenische Police passt sondern auch auf die bundesdeutsche aktuelle Situation.

00:01:31: Wenn jede Kunst auf ihr eigenes Gut zielt und die Menschen jeweils Expertinnen auf ihrem Gebiet sind….

00:01:38: äh welche Kunst zieht dann oft das gut alle, dass wir heute gewöhnlich das Gemeinwohl nennen.

00:01:45: Also was für die meisten Bürger in einer Kommune eines Landes oder eines Staates gut ist?

00:01:51: Wer ist der Fachmann oder die Fachfrau, der oder die aller anderen Fachleute mit ihrem Wissen ihrer Technik im Blick haben?

00:02:00: Wer sorgt für die Gesundheit der Heiler?

00:02:03: Muss es nicht eine Kunst ein Wissen oder eine Technik geben, die eben einzelnes Gut erfasst, sondern das gute Verhältnis zwischen allen Gütern.

00:02:13: Die begreift wie der Arzt der Soldat, der Kaufmann der Lehrer, die Lehrerin oder die Ingenieurin in einer Stadt möglichst optimal zusammenleben können ohne dass ihre jeweiligen Vortrefflichkeiten in gegenseitiger Zerstörung auseinanderbrechen.

00:02:29: Diese Kunst diese Form Das Wissens.

00:02:32: Und der Technik sagt Aristoteles ist die Kunst der Politik und sie ist, wie er mit charakteristischer Zurückhaltung formulierte, die maßgeblichste Kunst – die Meisterkunst, die architektonische Kunst weil sie gewissermaßen das gesamte Gebäude errichtet in dem alle anderen überhaupt gut tätig werden können.

00:02:52: Politik ist nicht per se tugendhafter als die Medizin oder klüger als das Handwerk oder die Mathematik isst aber besonders komplex, warum?

00:03:02: Weil ihr Gegenstand genau das Geflecht der wechselseitigen Verhältnisse aller anderen Künste Fähigkeiten Wissensformen ist.

00:03:11: Man muss also viel wissen um gut entscheiden und dann immer wieder korrigierend eingreifen zu können um das Ziel des Gemeinwohl die harmonische Ordnung all dessen im Blick zu behalten.

00:03:24: an dieser Stelle wird es interessant denn was macht eigentlich diese komplexe Kunst aus, welche Form der Urteilskraft oder Urteilstfindung verlangt sie eigentlich.

00:03:48: Der Arzt

00:03:48: kennt hoffentlich jedenfalls die Krankheit, wie er behandelt.

00:03:51: Die Klimawissenschaftlerin kennen die Kohlenstoffkreisläufe.

00:03:55: Der Ökonom kennt Zinssätze und Arbeitsmarkt.

00:03:59: Die Krankenhausverwalterin kennt Bettenzahlen Operationen-Durchsatz.

00:04:03: Deutschland hat im frühen XXI.

00:04:05: Jahrhundert bemerkenswerte Rähte solcher Experten auf einzelnen Gebieten versammelt, den Sachverständigenrat für Gesundheit, den Expertenrat für Klimafragen, den Rat für dies die Kommission für jenes und die ganzen Berichte sind jeweils akribisch und state of the art wie die Berichte zum Beispiel in internationalen Klimakommission.

00:04:26: Und die Fußnoten sind imposant, Wissenschaft!

00:04:29: Die Kenntnis und Darstellung der einschlägigen Daten ist innerhalb des jeweiligen Fachgebiet im Wesentlichen und bis auf Kleinkram denn nur krämerseelenaufregt, unanfechtbar.

00:04:39: super Expertenwissen – und dennoch gerät der ganze Kram ins Stocken.

00:04:44: Anders als beim Handwerk gelingt hier was nicht oder es gelingt nicht mehr.

00:04:50: Von den über zwanzig Gutachten, die der Sachverständigenrat für Gesundheit seit Bestehen dem Bundestag und dem Bundesrat vorgelegt hat wurde nur ein Teil der Empfehlungen von der Gesundheitspolitik überhaupt aufgegriffen.

00:05:03: Der Rest schwebt in einem eigentümlichen bürokratischen Fegefeuer weder erlassen noch förmlich abgelehnt – kritisiert mit dem höflichen Lächeln.

00:05:13: vielen Dank auch für dieses Expertenwissen!

00:05:15: mit einem höflichen Lächeln, dass man einen besonders gut gekleideten Bettler auf der Straße schenkt.

00:05:19: Der Expertenrat für Klimafragen unter der Leitung von Barbara Schloman vom Fraunhofer Institut fürs System- und Innovationsforschung veröffentlichte im Mai dieses Jahres seinen Prüfbericht zu den Treibhausgasemissionen – zwanzig fünfundzwanzig!

00:05:34: Und wiederholte damit das Urteil, dass er bereits seit Jahren abzugeben gezwungen ist.

00:05:40: Das sind die Fakten.

00:05:41: Will sagen?

00:05:42: Dass es kein Vertun gibt Keine Alternative des Urteils.

00:05:45: Und das Urteil lautet Zielverfehlung, und zwar komplette Zielverfehlungen!

00:05:51: Das Ziel der Klimaneutralität bis zu zweizigfünfundvierzig sei so der Bericht in mehreren Schlüsselbereichen zunehmend unwahrscheinlich zu

00:06:00: erreichen.".

00:06:05: Die Kunst

00:06:05: – das ganze im Blick zu behalten?

00:06:08: Was geschieht hier eigentlich?

00:06:10: Genauer, was geschieht nicht.

00:06:12: Man könnte versucht sein zu sagen die üblichen Argumente holt man jetzt vor und wiederholt Politikerinnen seien eben schlicht zu feige, zu dumm.

00:06:21: Zu sehr von Lobbyisteninteressenvereinnahmen, zu kurzsichtig bla bla bla.

00:06:26: und gewiss sind diese Faktoren mal mehr und mal weniger relevant und treffen hier und da auch tatsächlich zu.

00:06:31: aber all das bleibt an der Oberfläche und verkennt etwas dass in der Tiefe wirkt und das Aristoteles bereits ahnte nämlich das Wissen vom Ganzen ist eben nicht einfach die Summe aller Teilwissen.

00:06:45: Der Irrtum, und zwar ein uralter Irrtumm dem wir dennoch immer wieder begegnen als ob er zum ersten Mal überhaupt gemacht würde besteht in der Annahme Die Aristotelische politische Kunst lasse sich aus den Ergebnissen von Expertenräten irgendwie durch Aditionen zusammensetzen Das man wenn man den Gesundheitsbericht nimmt den Klimabericht hinzufügt ihn mit der Wirtschaftsprognose und dann noch mit den demografischen Daten kombiniert.

00:07:13: Und das Ganze durch eine hinreichend intelligente gesetzgeberische Maschine jagt, und möglichst auch nur durch eine angeblich völlig neutrale KI miteinander verkürlt dabei dass wohl eine Stadt eines ganzen Staates herauskommt sowie Brot aus Mehl-und Wasser und Hitze entsteht.

00:07:30: Ja glauben die das wirklich?

00:07:31: Aber genau das was das politische Backrezept doch immer wieder suggeriert geschieht nicht!

00:07:37: Es findet einfach nicht statt.

00:07:39: Und der Grund dafür ist, dass die Kunst des Ganzen eben keine Kompellation der Künste seiner Teile ist – kein Backrezept!

00:07:46: Diese Kunst gehört einer anderen Ordnung an eine Tatsache, den nicht nur Politikerinnen notorisch erkennen sondern leider auch die Medien, die in der einen Talkshow diesen Aspekt und dann in der anderen Talkshow jeden Aspekt behandeln und immer wieder aufs Neue suggerieren.

00:08:02: also... Man muss doch jetzt nur einfach mal umsetzen, was Balance und Illner und Maischberger in den Podcasts alle miteinander rauskommt.

00:08:11: Das ist doch ganz einfach!

00:08:13: Ja aber es ist eben nicht einfach und das ist auch nicht das Ende war es nie und wird's auch nie sein.

00:08:16: ein Arzt oder eine Ärztin die eine komplexe Operation vor sich hat weiß, dass kleine Krankenhäuser – kleine Talkshows mit unzureichendem Operationsaufkommen schlechte Ergebnisse produzieren.

00:08:29: Die Deutsche Krankenhausreform festgeschrieben im sogenannten Krankenhausversorgungsverbesserunggesetz von Ende of the Year war ausdrücklich darauf ausgerichtet die Versorgung zu konzentrieren, Spezialisierung zu belohnen und mit dem alten System der pauschalen Fallvergütung zu brechen.

00:08:47: das ist ja wirtschaftlich rational gemacht hatte, kleinere aber leider schlecht ausgestattete Einheiten unabhängig von der klinischen Qualität weiter offen zu halten.

00:08:59: Der Expertenrat hat ganz klar in eine andere Richtung gezeigt.

00:09:03: und doch sah die Reform nachdem sie das Bundessystem, die Länderverhandlungen, die Krankenhausgesellschaften, die Gewerkschaften ,die lokale Politik usw.

00:09:12: durchlaufen hatte, von denen jeder ein geliebtes Gemeinschaftskrankenhaus in seinem Wahlkreis besaß erheblich anders aus als das, was die Experten vorgesehen hatten.

00:09:24: Nicht weil irgendjemand besonders dumm war oder von einem Lobbyverband besonders verstrahlt worden ist oder fett geschmiert worden wäre sondern weil das Wissen vom Ganzen etwas einschließt dass der jeweilige Experten Bericht notwendigerweise auslässt, nämlich die Tatsache dass ein kleines Krankenhaus in einer ländlichen Gemeinde nicht nur eine medizinische Einrichtung ist sondern auch eine soziale Institution zum Beispiel.

00:09:53: Anker in Zeiten allgemeiner Ängste, eine Quelle von lokalen Jobs, ein Symbol bürgerlicher Wehr würde und vielleicht sogar einen Ort warum eine Familie tatsächlich sich an diesem und nicht an einem anderen Ort niedergelassen hat, weil es da dieses kleine Krankenhaus gibt.

00:10:10: All das sind ja keine irrationalen Überlegungen aber sie gehören eine andere Kategorie an als den Kategorien in denen der medizinische Experte ausgebildet ist und auch denken sollte.

00:10:22: Und er hat ja recht dass in kleinen Krankenhäusern die Versorgung mit bestimmten Operationen einfach schlechter ist als anderen die diese Operation häufiger machen.

00:10:30: Aber um wieder auf Aristoteles zurückzukommen und ein Bild zu benutzen was eher gebraucht Der Experte kennt das Organ und zwar sehr genau die Leber.

00:10:41: Aber die Politik muss den gesamten Organismus kennen,

00:10:44: d.h.,

00:10:44: dass organen die Lebers in Beziehung zu allen anderen Organ- und allen anderen Systemen des Körpers.

00:10:51: Es handelt sich dabei um ein kategorial anderes Wissen!

00:10:55: Und man könnte sagen naja dann wäre doch die Lösung Politiker besser auszubilden ihnen mehr wissenschaftliche Kompetenz zu geben, sie mit umfassenden Beratungsstrukturen zu umgeben.

00:11:05: Ja aber genau das passiert nicht!

00:11:07: Noch eine Kommission oder noch eine und dann die Umbesetzung der letzten Kommission?

00:11:11: Und an bitte neuen Bericht – und zwar in drei

00:11:14: Jahren?!

00:11:14: Aber all das verfehlt eine tiefer liegende Schwierigkeit und die besteht darin Komplexität besser zu verstehen und gut zu verstehen was in diesem Fall nachhaltig ist und ist gut zu gestalten.

00:11:29: Und nachhaltig bedeutet nichts anderes als, dass es sich auf Dauer bewährt und nicht im nächsten Moment schon wieder korrigiert werden muss.

00:11:37: Dieses Bewehren beinhaltet das man den Weg, den man einschlägt, nicht so baut, dass man alle anderen Wege- und Korrekturmöglichkeiten in Zukunft vollkommen zerstört!

00:11:48: Man könnte die Gestaltung der Komplexität, die das Gemeinwohl verlangt auch die Kunst des Ganzen nennen.

00:11:54: Allerdings handelt es sich dabei eben nicht um eine additive und daher enzyklopädische Kunst.

00:12:01: Es handelt sich, um es klar zu sagen nicht um die Kunst noch mehr Dinge zu wissen oder noch mehr zu addieren.

00:12:10: Verhältnisse zu kennen.

00:12:11: Also die Relation, die Beziehung von Systemen zueinander um auf diese Weise zu verstehen wie Güter gegeneinander abgewogen werden müssen?

00:12:20: Wie ein Gewinn in einem Bereich vielleicht einen Verlust in einem anderen Bereich?

00:12:23: bedeutet das und warum eine Stadt keine zu optimierende Maschine ist sondern ein lebendiges Gleichgewicht mit Spannungen die ausgehalten und im Balance gebracht werden müssen?

00:12:39: Deutschland und die Herausforderung der Komplexität.

00:12:42: Deutschland steht heute vor diesem Problem mit ungewöhnlicher Schärfe.

00:12:46: Warum?

00:12:47: Weil es nicht nur über Monate oder Jahre gezögert hat, das was nötig war tatsächlich anzuerkennen und umzusetzen nämlich Veränderungen tatsächlich zu machen, um nur ein Beispiel zu nennen.

00:12:59: Als ich Anfang der zweitausender Jahre das ARD-Morgenmagazin moderiert habe gehörte dazu dass Aufmerksame lesen mehrere und vor allem unterschiedliche Tageszeitung.

00:13:09: Doch all diese unterschiedlichen Tageszeitungen waren sich parteiübergreifend, gerade im Vergleich mit erfolgreichen anderen Wirtschaften wie damals Japan oder USA darin einig.

00:13:20: Dass man auch in Deutschland nur vorankommen kann wenn man einen höheren Teil des Gewinnens den Firmen und Unternehmen damals gemacht haben reinvestiert also nimmt und in Innovationen steckt, in Veränderungen die eine Zukunft ermöglichen.

00:13:37: Das war sonnenklar!

00:13:39: Das haben alle gesagt.

00:13:40: und passiert ist in vielen Bereichen das exakte Gegenteil davon – dass Abwirken anderer Gedanken, dass Abwürgen anderer Ideen, Initiativen und Produkte als die, die man gerade eben besonders lieb gewonnen hatte allen voran natürlich das Auto.

00:13:54: Heute muss das Land nach dem Jahrzehnte Stillstand gleichzeitig sein Energiesystem dekorbonisieren Rücken reparieren, die Gesundheitsinfrastruktur reformieren.

00:14:05: Das Rentensystem stabilisieren, den Kosten der Wiederaufrüstung schultern, qualifizierte Zuwanderer gewinnen und in digitale Infrastruktur investieren

00:14:15: usw.,

00:14:16: endlose Liste.

00:14:17: Und das alles in einer föderalen Struktur in der sechzehn Bundesländer erhebliche Eigenständigkeit bewahren und eine Koalitionsregierung Partner zusammenhalten muss die aufrichtig verschiedene Vorstellungen vom Guten und von Gesamten haben.

00:14:35: Jeder für sich!

00:14:36: Bestes Beispiel, um mal das Ressort zu wechseln ist die miserable Bildungspolitik, die seit über zwei Jahrzehnten weder den Zustand der Schulen noch die Beschulung, noch die Inhalte, noch den Umstand behoben hat dass Kinder, die unter Armut leiden eben auch leider schlechter lernen.

00:14:54: Aber zurück zu den anstehenden Reformen, denn kaum jemand denkt ernsthaft über Bildung nach zur Zeit außer der AfD.

00:15:01: Die Bildung nicht ernsthaft fördert sondern ist eher völkischer Gesinnung heraus nationalkonform gestalten will was er immer das heißen soll.

00:15:07: Noch im Februar in den Bundestag warnte der GKV-Spitzenverband nachträglich vor der Verwässerung der Krankenhausreform ein Wort dass in sich das ganze Pathos der Expertin trägt die dabei zusehen bzw.

00:15:24: zusehen müssen, wie ihre sorgfältige Arbeit sich im Lösungsmittel politischer Kompromisse komplett auflöst – Verwässerung!

00:15:33: Das ist die Verdünnung des präzise gemessenen ins Waage ungefähre und diese Verdünnungen bedeutet in vielen Fällen eben leider auch Verdummung.

00:15:42: Leider es ist so einfach in diesem Fall wie's klingt und ihr wisst dass ich ein Gegner der Reduktion komplexer Sachverhalte auf angeblich doch ganz einfache Lösung bin.

00:15:51: Aber hier möchte man wirklich fragen, ist die Verwässerung notwendig oder nicht ein Versagen?

00:15:57: Und zwar im Fundamentalversagen.

00:15:58: Oder handelt es sich dabei um einen Prozess durch den der gute Rat einer Zunft oder im Bild von eben zu bleiben eines Organs in den Stoffwechsel des Gesamtorganismus eingeht.

00:16:11: Das Problem von Expertinnen ist nicht, dass sie zu viel wissen!

00:16:15: Zu viel Information ist ja nur dann schädlich wenn Sie allen dermaßen verwirren das man nicht mehr gerade über die Straße gehen kann.

00:16:21: Experten sind Menschen die aus gutem Grund innerhalb eines bestimmten Bereichs sehr viel wissen und zwar sehr viel mehr als andere die behaupten etwas zu wissen.

00:16:32: Wer den Kanal kennt, weiß dass Sokrates jemand war der diesen Vielwissern die er vor allem unter dem damaligen Politik-Athens fand.

00:16:41: Alles Männer damals ständig ihre Fehlanschätzung unter die Nase rieb was ihn sehr unbeliebt machte.

00:16:46: Die Empfehlungen von Klimatologinnen sind gute Empfehlung und zwar aus der Perspektive der Klimaforschung gesehen vom Standpunkt der Kohlenstoffkreisläufe Temperaturgradienten der Windel des Wassers usw.

00:16:59: Sie sind richtig und sie sind definitiv nicht falsch, aber sie sind nicht das einzige Wort.

00:17:04: Und vor allen Dingen nicht das letzte, denn das letzte Wort gehört nun mal so wie die Politik gebaut ist – nicht einem Klima-Experten oder einer Expertin der zufällig auch Bundeskanzler wäre sondern der gewählten politischen Gemeinschaft selbst, die im Parlament entscheiden muss, wie sie in der vollen Komplexität dessen was sie isst leben will.

00:17:25: Und genau das meinte Aristoteles!

00:17:27: Als er die politische Kunst über alle anderen stellte, nicht etwa weil Politiker innen weiser sind als WissenschaftlerInnen.

00:17:34: Denn es ist nicht die zentrale Frage einer KI-Expertin oder eines Klimaforschers zu fragen wie wollen wir alle zusammenleben?

00:17:42: KI-expertinnen fragen nach Optimierung neuer nahener Netze, neuer Trainingsmethoden oder sogar damit den Klima-Expertinnen sich überschneidend nach dem zusätzlichen Bedarf an energiele Rohstoffen für ihre Klaus.

00:17:55: Und doch ist die Frage, wie wir in einer bestimmten Dimension des Lebens besser leben können nicht dieselbe Frage als Menschen, die eben nicht nur Expertinnen von irgendwas sind miteinander gut und zufrieden leben wollen?

00:18:09: Das Problem in Deutschland, und es ist leider nicht nur Deutschlands Problem besteht darin, dass die politische Kunst sich zu einem großen Teil in eine Art von administrativen Kleinstmanagement aufgelöst hat.

00:18:22: In einer Koordination von Experten-Inputs ein Prozess der Übersetzung technischer Empfehlungen in Gesetze, die dann politische Managementagenturen und Thinktanks und Parteiorgane der Öffentlichkeit in den abendlichen Talkshows servieren.

00:18:38: Doch mit dieser konzultigen Attitüde, die sich über die Adern des bürokratischen Systems ausbaut und verfestigt, verkümmert die notwendige architektonische Dimension der Politik.

00:18:49: wie Aristotel ist das Lande.

00:18:50: Kaum jemand stellt noch laut- und deutlich- und hart genug- und konsequent die genuinen aristotälische Frage.

00:18:57: Was für eine Stadt wollen wir sein?

00:19:01: Staat wollen wir sein und wie wollen wir miteinander leben.

00:19:05: Wie setzen die Empfehlungen des zuständigen Expertenrats dann um?

00:19:09: Wie behalten wir Mehrheiten, wie entsprechen wir den Parteiprogramm?

00:19:12: Das ist das was dabei herauskommt!

00:19:14: Das sind Diskussionen über Brandmauern, die in der Regel so verlaufen dass man am Ende der Diskussion sich fragt ob es die Brandmauer denn eigentlich je gegeben hat oder geben sollte.

00:19:24: Und Judy Vance hat vorgemacht wie das geht.

00:19:28: Diese aggressive Antibrandmauerrede beschäftigt die Parteien bis heute.

00:19:33: Dabei lautet die Frage, wie willst du denn großer Freund des Orangenfarben- und unberechenbaren Oracles von Washington das Leben aller Amerikaner so organisieren, dass sie freundlich und gut miteinander leben können?

00:19:46: Und wir mit ihnen!

00:19:47: Aber die Antwort auf die Frage die nicht gestellt wird nämlich, wie wir miteinander alle leben wollen also die Antwort auch die Frage Wir geben uns doch so große Mühe.

00:19:58: Wir arbeiten doch, wenn auch langsam weil wir noch eine weitere Expertenkommission brauchen die wir erst mal einrichten müssen, die die Expertise der Experten-expertenmäßig aufarbeiten.

00:20:08: Für all das gibt es keine bequeme Auflösung.

00:20:11: Ja, Expertenräte sind notwendig.

00:20:14: ja ohne Information zu handeln wäre blinde Willkür und frei darauf los galoppierende Dummheit.

00:20:21: Ja Die Antwort von Expertinnen ist unersetzlich Auch das stimmt.

00:20:26: Ein Deutschland, das seine Klimawissenschaftlerinnen oder GesundheitsökonomInnen ignoriert, wäre ein Deutschland, dass im schlichten Sinn des Wortes Unglug und verblödet wäre.

00:20:35: Weil es fröhlich bräßig auf die absolut vermeidbare Katastrophe zusteuert!

00:20:39: Expertenräte müssen existieren und ihre Berichte auch ernst genommen werden.

00:20:43: Aber... Die politische Kunst – und das hat schon Aristoteles beschrieben – ist nicht die Kunst der Expertenaggregation.

00:20:51: Es ist die Kunst, eine Gemeinschaft in ihrer vollen Komplexität zusammenzuhalten und sie zugleich unvollkommen aber absichtsvoll auf ein menschliches Gut hinzulenken das keine einzelne Wissenschaft spezifizieren kann.

00:21:05: Das ist schwierig, deshalb ist es auch eine Kunst die nicht jeder versteht und die nicht jede ausführen kann.

00:21:12: Und das erfordert wie Aristoteles schon beschrieben hat – nicht nur Wissen sondern Fronesis!

00:21:17: Das heißt übersetzt praktische Weissheit, die Fähigkeit zu erkennen was in einer bestimmten Situation mit all ihren unreduzierbaren Besonderheiten gut und angemessen ist.

00:21:27: Aber wie macht man das bitte?

00:21:30: Wer isst im Chaos der Stimmen diese Stimme der

00:21:33: Weisszeit?!

00:21:38: Wer sorgt für das Wohl des Ganzen?

00:21:41: Die Frage, vor der Deutschland steht lautet also nicht.

00:21:44: Warum folgen Politiker in nicht den Experten?

00:21:47: Vielmehr ist es die ältere und viel schwere zu beantwortende Frage.

00:21:51: Wer trägt, wer verantwortet, wer organisiert in unserer Zeit das architektonische Wissen, als es zusammenfügen all dessen.

00:22:00: Wer sorgt für die Bildhaftgesprochen gesundheites Ganzen?

00:22:04: Und wie bilden, erkennen und ermächtigen wir solche Menschen die das dann auch für uns machen.

00:22:10: Diese Frage hat keine einfache Antwort.

00:22:12: ja das gebe ich zu.

00:22:14: klar ist nur Wir brauchen politisches Personal dass gewählt ist genau diese frage endlich anzugehen und ihr nicht auszuweichen.

00:22:23: Es ist unsere Aufgabe als Bürgerinnen und Bürger Politikerin diese Frage immer wieder vorzulegen.

00:22:30: In der Bildung und Ausbildung von zukünftigen Politikerinnen, und übrigens auch bei ihrer Wahl sollten wir weniger auf den unmittelbaren Appeal achten.

00:22:39: Also die Wirkung in einer Talkshow als viel mehr auf ihre Fähigkeit Komplexität tatsächlich zu verstehen besser zu verstehen als wir uns zu gestalten nicht nur selbst Karriere zu machen oder ein Parteiprogramm zu folgen sondern unsere Gesellschaft für uns natürlich für sie selber auch zu gestalken.

00:22:58: Mir scheint, dass Aristoteles in dem Punkt absolut Recht behalten hat.

00:23:02: Die Frage nach dem Gesamt ist die grundlegende Frage des politischen Lebens und deshalb sollten wir diese Frage um was sich mit ihr verbindet auch wirklich endlich mal ernst nehmen machen wie es nicht sammeln wir zwar weiter Expertenberichte und wir sammelt Daten und Meinungen und Gefühle und alles mögliche aber ohne damit notwendigerweise auch eine gute Regierungsführung zu erzeugen.

00:23:25: wenn wir an diesen Punkten nachlassen werden wir weiterhin das seltsame und entmutigende Schauspiel erleben, dass wir zwar immer vollkommenes Fachwissen und immer mehr Regeln und Gesetze und Bürokratie haben.

00:23:38: Aber nur unzureichende Weisheit und vor allem kein gutes Handeln, keinen Spielraum mehr der das ganze im Blick hat!

00:23:45: Ich bin gespannt was der Sommer bringt.

00:23:49: Vielleicht wäre es ja sinnvoll Eine Empfehlung umzusetzen, die die wichtigste japanische Wirtschaftsvereinigung Kaylan Ren vor kurzem der japanischen Regierung überreicht hat.

00:24:00: Das Papier heißt Strategie für Japan als Nation der Wissenschaft und Technologie.

00:24:06: Und darin werden drei Säulen empfohlen wie zu erwarten.

00:24:10: erstens natürlich Wissenschaft und technologie könnte man übersetzen in Expertenwissen und Anwendung des Experten-Wissens.

00:24:17: Zweitens, wie sollte es beim Wirtschaftsverband anders sein?

00:24:20: Darüber wird ja auch in Deutschland die ganze Zeit geredet.

00:24:23: Industrie und Gesellschaft – Wie spielt das zusammen?

00:24:25: und so weiter und sofort!

00:24:26: Die dritte Säule aber heißt Shiso Tetsugaku, wörtlich übersetzt Denken und Philosophie.

00:24:34: Stellt euch mal vor, die Philosophen würden zu unserem Bundeskanzler gehen oder in ein Beratungsgremium gehen und sagen, um besser das Ganze und seine Komplexität in den Blick zu bekommen solltet ihr philosophieren und auch Philosophinnen hinzunehmen.

00:24:55: Ich glaube man würde mich freundlich aus dem Gebäude eskortieren Ungehindert damit weitermachen, die Geisteswissenschaften wie zurzeit ernah zu allen deutschen Universitäten und Hochschulen einfach massiv zu kürzen und abzuschaffen.

00:25:09: Weil das sind ja alles Idioten!

00:25:12: Tatsächlich?

00:25:13: Und tschüss!

00:25:26: Finanziert wird dieses Projekt von der gemeinnützigen Stiftung AVE, dem Institut für Achtsamkeit, Verbundenheit und Engagement.

00:25:34: Den Link dazu findet ihr in der Folgenbeschreibung.

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