Die gefährlichste Frage unseres Lebens – scobel

Shownotes

Was, wenn die wichtigste Frage unseres Lebens falsch gestellt ist?

Wir fragen ständig: Wozu arbeite ich? Wozu liebe ich? Wozu lebe ich? Doch vielleicht ist genau dieses Denken in Zweck, Nutzen und Optimierung der blinde Fleck unserer modernen Welt.

Heute geht es um die Philosophie der Zwecklosigkeit: Um Bewusstsein, Ego, Sinnsuche, Spinoza, Aristoteles, Buddhismus und die Frage, ob das Leben überhaupt ein letztes Ziel braucht.

Ausgehend vom Moment des Aufwachens zeigen wir wie unser Ich jeden Morgen neu entsteht: Erst ist da reine Wachheit, dann kommen Erinnerungen, Pläne, Sorgen, To-do-Listen und mit ihnen die große Maschine des Wozu. Mit Thomas Metzinger, Michael Hampe, Baruch de Spinoza und buddhistischen Perspektiven geht es um eine radikale Möglichkeit: Freiheit beginnt vielleicht dort, wo wir aufhören, alles nützlich machen zu wollen.

In einer Zeit von Selbstoptimierung, Leistungsdruck, Mindfulness-Apps, Produktivität und Sinnkrisen ist diese Frage aktueller denn je: Müssen wir unser Leben ständig begründen oder dürfen wir einfach leben?

📅 Neue Ausgaben immer donnerstags, 19 Uhr.

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0:00 👉 Intro
4:24 👉 Wozu? Nachdenken über den Zweck
7:00 👉 Aristoteles ist Schuld – Aber wir machen weiter
10:56 👉 Zwecklos
13:01 👉 Der blinde Fleck – Aus buddhistischer Sicht
18:33 👉 Yuge oder ungehinderte Freiheit
23:36 👉 Am Ende: Das Leben

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THOMAS METZINGER, Der Elefant und die Blinden. Auf dem Weg zu einer Kultur der Bewusstheit. Mit mehr als 500 Erfahrungsberichten über das reine Bewusstsein, München 2023

MICHAEL HAMPE, Wozu? Eine Philosophie der Zwecklosigkeit, München 2024

SHOUKEI MATSUMOTO, The Great Unburdening: Beyond Utility and the Return to "Just Living" 👉 https://www.living-dharma.com/p/the-great-unburdening-beyond-utility

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Moderation, Recherche & Skript: Gert Scobel

Zeichnungen: Claus Ast

Eine Produktion der probono Fernsehproduktion GmbH: Anja Görner, Friedrich Küppersbusch, Jürgen Ohls, Kim Plettemeier, Maxie Römhild und René Fischell

Mit Unterstützung von: Alexander Hollmer, Annluise-Sophie Schröter, Arne Clasvogt und Pascal Hadré

Finanziert wird dieser Kanal vom gemeinnützigen AVE Institut für Achtsamkeit, Verbundenheit, Engagement (🔗 https://ave-institut.de/).

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Fragen und Anregungen gerne jederzeit per Mail an scobel@probono.tv.
Und Tschüss.
#scobel

Transkript anzeigen

00:00:00: Wie war der Moment, in dem ihr heute Morgen aufgewacht seid?

00:00:04: Klar ist irgendwann muss das Wachwerden ja begonnen haben.

00:00:07: Ihr habt ja geschlafen vorher.

00:00:09: Klar ist auch, ihr habt euch nicht entschieden aufzuwachen.

00:00:12: Etwas erwachte und erst hinterher könnt ihr sagen so jetzt bin ich wach!

00:00:15: Ich bin aufgestanden.

00:00:17: im ersten moment indem sich die Augen öffnen und nicht ihr die Augen aufgemacht habt konnte ihr nicht einmal wirklich ich sagen Aber euer Atem ging, alles war vorbereitet körperlich, geistig mental und emotional.

00:00:28: Und bevor ihr Zeit haltet euch zu erinnern, wer ihr eigentlich gestern und in all den Jahren davor gewesen seid?

00:00:35: Bevor also die ganze prächtige Maschinerie des Ichs hochgeladen wurde und im Gang kam mit ihren Plänen und Sorgen und To-Do-Listen einer sorgfältig gepflegten Auffassung davon, wer Ihr seid, war da einfach ein Aufwachen!

00:00:47: eine Art von rudimentärer Wachheit.

00:00:50: Ohne Besitzer, ohne klar konturiertes Ich.

00:00:53: Jeder und jede von euch kennt das!

00:00:55: Und kaum jemand redet über diesen Moment, wo er so nebensächlich unbedeutsam scheint – vielleicht weil noch keiner richtig zu Hause ist?

00:01:04: Denn erst danach fängt ja die übliche Geschichte erst wieder an mit einem Ich.

00:01:08: Man erkennt vielleicht die Einfachheit dieser Erfahrung des Aufwachens, schreibt der Philosoph Thomas Metzger aber nicht gleich die Tiefe….

00:01:15: Denn die Tiefe dieser Erfahrung ist das, was häufig als reines Bewusstsein bezeichnet wird.

00:01:21: Ein Zustand in Thomas Metzinger in seinem Buch der Elefant und die Blinden mit Blick auf das Aufwachen so beschreibt.

00:01:28: Was ist die allererste bewusste Erfahrungen?

00:01:30: Ersten Bruchteil einer Sekunde!

00:01:33: Bevor Sie sich überhaupt daran erinnern wer sie sind und was sie heute tun werden.

00:01:37: Bei mir selbst ist es so dass ein Teil der Phänomenologie des Aufwachens aus dem traumlosen Tiefschlaf epistemischem Urgefühl bestätigen, nämlich der Erwartung dass Wahrnehmungszustände jetzt sehr bald eintreten werden.

00:01:52: Dass man nun offen für die Welt und sich seiner Erkenntnis Fähigkeit bewusst ist.

00:01:58: zu allerersten Erfahrung gehört auch das man in der Lage ist zu erkennen wo man ist und wie spät es ist.

00:02:06: In ein paar Millisekunden wird dann auch wissen wer man ist.

00:02:10: Phänomenologisch gesehen ist der Übergang von der Bewusstlosigkeit in den Wachzustand durch eine intuitive, sehr subtile Vorahnung gekennzeichnet die man vielleicht als die phänomenale Vorahnungen des Ich-Gefühls bezeichnen könnte.

00:02:24: Es handelt sich bei diesem besonderen Aspekt um einer Erwartung nicht nur von Wissen sondern von egoischer Selbsterkenntnis jedoch bevor sie sich tatsächlich manifestiert.

00:02:37: Das Erstaunliche dieses Zustands ist also seine Offenheit.

00:02:40: Man wird sich, wenn dieser kurze Moment abklingt und vorbei geht jedoch an seine bisherigen erinnerten Erzählungen halten oder einmal eine Art von neuem Narrativ Also von autobiografischem Selbstmodell schaffen müssen, denn sonst wüsste man ja nicht wer man ist.

00:02:57: Aber die allerersten Momente des Tages sind von einem anderen Zustand gekennzeichnet.

00:03:02: Von einem Zustand des Zu-Sichkommens der eine Art reines Bewusstsein ist das im Grunde genommen noch selbstlos ohne ich nicht egoisch wie Thomas Metzinger sagt.

00:03:14: Dieser Zustand des Aufwachens eines reinen, klaren aber nicht dualen Bewusstseins ohne Besitzer ist in gewisser Weise einer der zentralen Zustände tiefer Meditation bei der es zumindest in den buddhistischen Varianten beim Erwachen geht.

00:03:28: Und erst dann nach dem Erwachsen geht es richtig los mit dem üblichen.

00:03:33: Ich muss jetzt zurückrufen.

00:03:36: Mist, das habe ich gestern ja nicht mehr gemacht und die E-Mail hab' ich vergessen zu beantworten.

00:03:40: Und übrigens, ich freue mich total auf den Geburtstag im Büro.

00:03:43: Aber scheiße mein Knie tut wieder weh!

00:03:45: Mist!

00:03:47: Haben wir heute echt schon Donnerstag?

00:03:49: Nee wirklich Mist, es ist Mittwoch Heute Abend des Prüfung.

00:03:52: Also bald is euer Ego wieder in seiner ganzen Pracht Zuhause Ist eingezogen ins Bewusstsein Und hat mit Plänen und Zielen Den gesamten Raum Des Bewusstseins für sich beschlagnahmt.

00:04:02: Und auch wenn es anfangs noch langsam läuft, spätestens nach dem Kaffee oder Tee seid ihr wieder vollständig zusammengesetzt.

00:04:08: Ihr seid weiter bereit für einen neuen Tag mit einem unerschöpflichen Ich, einem zielstrebigen Ich-Salm!

00:04:16: Bereit weiterzumachen und den großen Zweck der Dinge zu folgen?

00:04:20: Nur was ist

00:04:21: das?!

00:04:22: Gibt es einen solchen Zweck überhaupt?

00:04:36: Genau davon handelt das ungewöhnliche Buch, wozu?

00:04:39: eine Philosophie der Zwecklosigkeit des Philosophen Michael Hampel.

00:04:42: ein ungewönlich ehrliches und zugleich präzises Buch.

00:04:46: Seine Antwort auf den großen Zweck lautet wir sind oder werden schlicht abgerichtet!

00:04:53: Von dem Moment an in dem wir zu sprechen lernen setzt sich bereits die Sprache in uns fest wie ein Pilz und beginnt mit ihrem Programm auch uns insgesamt zu bestimmen.

00:05:04: Und dieses Programm hat ein dominantes Merkmal, nämlich den Zweck.

00:05:07: Alles muss FÜR etwas sein!

00:05:09: Der Wald ist für Holz.

00:05:11: Der Fluss ist für Strom.

00:05:14: Andere Menschen sind für uns... Das hängt jeweils von der Einstellung Situation ab.

00:05:18: Stille ist gut für die Erholung, damit man montagsiger Produktiv sein kann.

00:05:23: Meditation ist für die Stressredaption und die Liebe ist für... Ah ja, können wir lange drüber nachdenken?

00:05:29: Wir haben uns noch nicht ganz geeinigt aber Wir arbeiten daran.

00:05:33: Das ist es, was Hampe die Rede nennt – also den Diskurs das Geräde, dem endlosen inneren Monolog der bewertet und kategorisiert und plant und projiziert und niemals einfach nur ruht!

00:05:48: Und das bedeutet auch ohne Zweck ist.

00:05:50: Worum es geht?

00:05:51: Ist das Unterscheiden bzw.

00:05:53: das unterscheidende Werten von allen?

00:05:56: Für uns gibt's ähnlich wie beim noch unterschiedslosen reinen Bewusstsein kein Bewusstsein Vor der Rede.

00:06:03: Kein Bewusstsein vor dem unterscheidenden Denken, das uns dann fest im Griff hat!

00:06:07: Zum Unterscheiden gehört vor allem die Unterscheidung zwischen Ursache und Wirkung – und damit von Mittel und Zweck.

00:06:14: Doch wer oder was verpflichtet uns eigentlich dazu?

00:06:17: In allem einen Zweck ein Wurzuzufolgen….

00:06:20: Es ist dieses Denken in Mitteln und Zwecken, schreibt Hampel.

00:06:24: Dass sich den Menschen aufzwingt weil sie als endliche Wesen permanent nach Ressourcen für ihre Selbsterhaltung suchen müssen.

00:06:32: Und das führt nach Spinosar Zitat zu der Verblendung die ganze Welt sei auf Menschen hin geordnet als eine mögliche Ressource ihrer Existenz.

00:06:42: Wozu das führt sehen wir gegenwärtig.

00:06:45: Stichwort ressourcen Klimawandel usw.

00:06:47: Genauso scheint es eben leben wir auch heute.

00:06:50: Es ist ein Zweck, der uns aufgeweckt hat am Morgen.

00:06:53: Er hatte uns geweckt und unsere Identität zurückgegeben.

00:06:56: Alles ordentlich gefaltet, fertig zum

00:06:59: Anziehen.".

00:07:04: Aristoteles

00:07:05: ist schuld

00:07:06: aber wir machen weiter...

00:07:21: Eiche zu werden.

00:07:24: Das Auge hat einen Zweck, nämlich zu sehen!

00:07:27: Der Mensch hat seinen Zweck nämlich zu gedeihen seine vernünftige Natur zu entwickeln und sein Telos zu erreichen.

00:07:34: Telos heißt Ziel, Zweck taucht bei auch das Lote des Häufig auf.

00:07:37: Insbesondere der Westen sagt ja genau so ist es.

00:07:40: Das ist das richtige Bild von Menschen.

00:07:42: Im Grunde haben wir zweitausend Jahre Zivilisation genau darauf gebaut auf dieses Zweckdenken.

00:07:48: Wissenschaft und Demokratie, Medizin aber auch Colonismus und Industrialisierung.

00:07:52: Und die systematische Verwandlung von allem Lebendigen in eine Ressource – all das dient der einen Logik des Zwecks!

00:08:00: Wenn man erst einmal glaubt, dass Universum sei um Zwecke im Klammern nur um unsere Zwecke natürlich herum organisiert, es habe ein klares Ziel, Telos, eine Richtung, ein bestimmtes Ziel aller Ziele.

00:08:13: Wenn alles nützlich ist und sein sollte, ist es natürlich völlig zwingend zu fragen.

00:08:20: Nützlich wofür?

00:08:23: Denn dieses Woffür ordnet ja dann alles was wir denken oder tun in Hierarchien der Nützlichkeit höhere Zwecke niedere Zwecke wertvoller weniger wertvoll.

00:08:33: Darwin krizelte in seinen Notizbuch benutze niemals wieder die Wörter höher und niedriger.

00:08:39: das ist klug denn von seiner Warte Warte der Biologie aus, sah die Welt natürlich anders aus.

00:08:46: Denn die Evolution hat ja keine Richtung – kein bevorzugtes Ergebnis!

00:08:51: Der Mistkäfer ist nicht niedriger als der Philosoph.

00:08:55: Er arbeitet auf Nichts hin.

00:08:57: und genau an dieser Stelle kommt erneut ein niederländische Philosoph Baruch Spinoza ins Spiel geboren.

00:09:02: Sechzehnhundertzweiunddreißig in Amsterdam als Sohn.

00:09:05: Iberischer Juden aus Portugal gestorben, sechzehundertseventeen in Den Haag.

00:09:10: Er verdiente seinen Lebensunterhalt mit dem Drehen- und Schleifen optischer Linsen, galt als der beste Linsenschleifer Europas.

00:09:17: Und baute eben so Mikroskope wie Fernrohre.

00:09:21: Wurde wegen seiner Bibel und religionskritischen Ansichten jedoch aus der jüdischen Gemeinde – aus der Amsterdamer Synagoge – ausgeschlossen.

00:09:28: Er war einer der ersten sogenannten säkularen Juden dessen Hauptwerk Ethik und Traktatus politicus sowie Traktatus de intelectus Emendatione, also Abhandlung über die Verbesserung des Verstandes in weltberühmt machten.

00:09:44: Spinoza war der Ansicht dass Zwecke menschliche Fiktionen sein und zwar alle.

00:09:50: wir projizieren sie lediglich auf eine Natur die selbst keinerlei Zwecke hat denn Gott beziehungsweise die Natur und Spinozer benutzt beide Begriffe wechselseitig.

00:10:00: deusive Natura sagt er diese Natur will nichts verfolgt nicht bewegt sich oft nichts zu.

00:10:08: Es ist reine, zwecklose, absolut absichtslose Kreativität.

00:10:13: Wie ein Tanz der einfach tanzt oder den Mann-Tanz, denn wir tanzen!

00:10:17: Wie einen Lied das singt weil es Lied ist und Hampel, der in seinem Garten sitzt und einen Vogel zwischen zwei Bäumen fliegen sieht findet dieses Bild – Das Kalidoskop die unendliche Transformation, die nirgends ankommt, die immer schon.

00:10:33: genau das ist dieses verändernde Wechselspiel und etwas löst sich in ihm nicht weil das Leben bedeutungslos wird, sondern weil die Frage nach dem letzten Sinn aufgehört hat ihn zu verfolgen.

00:10:45: Das schilderte er in seinem Buch.

00:10:47: Die Erleichterung, wenn alle Zwecke verschwinden, schreibt der ist eine völlig andere als die, die eintritt, wenn ein Zweck endlich erreicht wird.

00:11:02: Hampe argumentiert dass der Gedanke, dass sich alle Erscheinungen einfach nur zum Mustern zur Ordnung zusammenfügen vollkommen plausibel ist.

00:11:12: Es handelt sich dabei um Muster, die wiederum aus Mustern bestehen und werden das heißt zu neuen Mustern führen und sich auf diese Weise in der Zeit fortsetzen.

00:11:22: Alles was existiert sind solche Muster.

00:11:24: Das Gedankenspiel ergibt ein Bild dass all diese Muster Zitat entstehen und vergehen also beweglich sind so dass Wenn ich mir die Welt so vorstelle, sie in einer ständigen Umbildung begriffen ist.

00:11:38: In der auf unterschiedlichsten Ebenen sich manches wiederholt anderes als etwas ganz Neues erscheint dass diese Transformation immer so weitergehen das es kein letztes kleines und kein letzt großes Muster als das Ziel von all dem gibt ja dass dieses nach oben und nach unten gehende Unendlichkeiten die Rede von groß und klein ganz ihren Sinn zu verlieren scheint, das Ganze keine Hierarchien enthält und tatsächlich auch auf nichts hinausläuft.

00:12:08: Es also gleichgültig ist ob man sich auf der Ebene der Atome, der Menschen oder der Galaxien befindet.

00:12:14: Dieses Gedankenspiel ergab ein Bild unter dass ich mich warum auch immer stellen konnte als es in mir entstanden war und in das ich mich auch gerne selbst hinein projizieren

00:12:26: würde.".

00:12:27: Das schreibt Michael Hampel Aber offenbar fährt er fort, ertragen wir dieses Bild nicht.

00:12:33: Wir wollen nicht einfach Teil einer sich fortpflanzenden, fortlaufenden Transformation sein!

00:12:39: Wir wollen irgendwo ankommen.

00:12:41: endlich aber kann ich wissen wo ich ankommen soll?

00:12:45: Spinoza war der Ansicht dass alles und wie ja alle in einem beweglichen bunten Gott oder die Natur deusive Natura sind Wie auch immer man es zu nennen beliebt.

00:12:56: aber all das läuft am Ende eben oft Nichts hinaus.

00:13:00: Kein Zweck, kein

00:13:01: Ziel.".

00:13:05: Der blinde Fleck.

00:13:07: aus buddhistischer Sicht

00:13:08: Ja und ich ahne was ihr jetzt denkt ja ist ja alles sehr interessant was du da sagst.

00:13:14: aber morgen sitzt sich wieder im Büroleiter ein Meeting oder morgen muss ich den neuen Wärmetauscher eines Kunden einbauen.

00:13:21: doch es gibt eine Weltanschauung die die Wirklichkeit genauso sieht wie Michael Hampel oder Spinoza Sie beschrieben haben.

00:13:28: Shuka Matsumoto ist ein buddhistischer Mönch, der in Kyoto lebt, Autor des jüngsten erschienenen Buches Die Kunst des Achtsamen miteinander was wir von buddhistischen Mönchen über Gemeinschaft lernen können.

00:13:40: mit ihm und einem Freund sassen wir kürzlich bei einem guten Essen und sage bei ihm zu Hause in Kyoto als wir auf die Idee dieses größtes wozu der Ziele aller Ziele zu sprechen kam.

00:13:54: Also eine Art Maschine, die alles jeden Baum, jeden Menschen, jeden Moment der Stille in etwas verwandelt das nützlich für etwas anderes ist.

00:14:05: Dieser Apparatus ist außerordentlich kompetent und nützig denn er hat der Menschheit ne Reihe von Dingen beschert mittel zu einem Zweck wie Antibiotika Flugzeuge, dass Internet usw.

00:14:16: Man sollte das also nicht unterschätzen.

00:14:19: Aber all das hat einen riesigen blinden Fleck von ihm aus.

00:14:23: Kann die, sagen wir mal rohe, vibrieren der absolut unnötige Tatsache dass überhaupt irgendetwas existiert nicht verstanden werden?

00:14:33: Dass es überhaupt ein Sonnenuntergang geht mit welchem Zweck?

00:14:37: Das ist der Vogel von einem Ast zum anderen fliegt.

00:14:40: was für ein Zweck hat er's?

00:14:42: Dass wir genau jetzt in diesem Moment durch diese Ausgabe eines YouTube-Kanals hier sind Und irgendwie zusammenfinden.

00:14:50: Der Apparatus schaut auf den Vogel und sieht, ok, Zugmuster, Territorialverhalten, Indikatoren für Ökosystemgesundheit – guter Zweck!

00:15:01: All das ist aus Sicht der Wissenschaften ja nicht falsch.

00:15:03: Für den der Vögel jagen will auch nicht nützlich da ist er ein Vogel.

00:15:06: aber der Vogel, der wirkliche Vogel sein schieres unerklärliches Dasein wird von all diesen Überlegungen überhaupt nicht berührt.

00:15:16: Warum lassen wir uns davon nicht nur berühren und anfassen, sondern bestimmen?

00:15:22: Was ist in der Moderne eigentlich passiert?

00:15:25: Dass dieser Apparatus dieses Gerüst- und Gestell wie Heidegger sagen würde.

00:15:30: Derart dominant wurde.

00:15:32: Scheinbar total unentrindbar geworden ist dass wir nahezu die Fähigkeit verloren haben das was isst überhaupt aus sich heraus wahrzunehmen.

00:15:42: Anschließt von uns selbst ohne gleich so in einen Zweck einzuordnen, ein Wozu.

00:15:48: Wie beim Aufwachen verlieren wir offenbar die Fähigkeit als ein offenes einfaches Bewusstsein zu leben und in der Welt zu sein, ohne sie sofort in Projekte... ...in unser Projekt zu verwandeln!

00:16:01: Was natürlich auch für solche Gegenbewegungen wie Achtsamkeit gilt, denn auch mindfulness wird ja inzwischen Von einem neoliberalen Apparat verschluckt, eingespannt in einen Zweck der Achtsamkeit einbaut um mehr zu leisten.

00:16:16: Um sich besser orientieren zu können, um entspannter zu leben und so weiter und sofort.

00:16:20: Manche meditieren nur um ein bessere Lieder, eine bessere Geschäftsfrau, ein besserer Mensch zu werden.

00:16:27: die Flucht aus der Falle wird dann zum neuesten und raffiniertesten Teil genau dieser Falle und sie schnappt zu denn das unterscheidende Bewusstsein oder Denken dominieren am Ende.

00:16:37: Der unterscheide Geist schneidet die Welt weiter in Stücke, seine Stücke benennt und ordnet sie je nach Zwecken und Werten und weist ihnen dann einen endgültigen Wert zu.

00:16:48: Aber ist dieser Art der Einteilung der Welt?

00:16:51: Unsere moderne Alltagserfahrungen überall um uns herum – tatsächlich repräsentativ für die Struktur der Wirklichkeit insgesamt!

00:17:00: Und das fragt nicht nur Michael Hampel in seinem wirklich starken Buch.

00:17:03: Auch Schukai Matsumoto, der Mönch stellte diese Frage.

00:17:06: aus buddhistischer Perspektive ist es nicht falsch so zu denken und in vielerlei Hinsicht ist es natürlich auch notwendig.

00:17:13: ohne Mittelzweckdenken können wir jetzt zum Beispiel mit dem Auto von A nach B fahren nichts lernen vielleicht auch dieses Video gar nicht produzieren.

00:17:21: aber und dieses Aber ist wirklich fett und riesig sagt er Diese Art des unterscheidenden Denkens Einzige Modus, in dem wir leben.

00:17:31: Und es ist zweifelslos, zweifellos nicht der tiefste unter dem unterscheidenen Geist oder den Hampfessprache unter der Rede also dem was wir mit Sprache inhaliert haben.

00:17:42: zu leben ist etwas anderes als in einer Wirklichkeit zu sein das heißt aufzuwachen ohne sofort alles zu ordnen alles einzuspannen alle Zwecken zielen des ichs unterzuordnen.

00:17:56: Erinnert euch an den Anfang, an das was Thomas Metzger im Einklang mit der Tradition Minimal Phänomenological Experience nennt.

00:18:03: Also minimalstes grundsätzliche phänomenologische Erfahrung reines Bewusstsein und das beinhaltet ein Leben diesbeziehungsweise jenseits der Zweckbestimmung die es in diesem Moment hinter sich gelassen hat.

00:18:17: Dieser Zustand erinnert Euch an das Aufwachen ist zwecklos und nicht egoisch Das heißt nicht von einem Ich bestimmt, er ist da bevor unsere Geschichte und unsere Geschicht tenn wieder beginnen.

00:18:36: Jürgen oder ungehinderte Freiheit?

00:18:39: Die Japaner nennen das Ginen Honi die Dinge die natürlich so sind wie sie sind.

00:18:46: Shinran ein Mönch des dreizehnten Jahrhunderts zeigte darauf als den Grundexistenz den kein Projekt je erreicht aber auch kein Projekt je erschüttern kann.

00:18:57: Schukka im Azumoto formuliert es längst in einem Essay-Bus-Substack mit Blick auf unser Gespräch so.

00:19:03: In der Welt zu sein, aber nicht von der Welt!

00:19:06: Wir sind vollständig in der Welt überhaupt keine Frage.

00:19:08: wir haben Körperverpflichtungen Arbeit, Hypotheken die bezahlt werden müssen Menschen wie es gibt die sich auf uns verlassen und unsere Verlässlichkeit zählen usw.

00:19:20: Wir sind in all dem Und so zu tun Als ob wir es nicht werden, ist keine Spiritualität.

00:19:26: Sondern das ist reine Flucht, Blindheit vor der Wirklichkeit.

00:19:30: und dennoch sagt Chokei Matsumoto sind wir nicht von der Welt.

00:19:35: Das heißt, wir sind nicht ganz umgar und vollständig dieser Apparatus der Zwecke eingerichtet eingespannt optimiert oder optimierbar ein gebrandeter Teil, der je nachdem in einem oder anderen System dann Verwendung findet.

00:19:50: Und wenn er Verwendungen findet auch gut ist als Mensch.

00:19:53: All das ist wie ein Mantel, den wir tragen.

00:19:56: Ein zuweilen durchaus nützlicher Mantel.

00:19:58: wenn es regnet ja mittels Zweck aber wir wind nicht dieser Mantel.

00:20:03: Schucke im Matsumoto nannte es das innere Mönchtum dass wir entwickeln sollten.

00:20:08: kein Rückzug in eine Höhle in einer irgendwie jenseitige Wirklichkeit nicht das Kündigen des Jobs sondern deine Rolle tragen wie einen Schauspieler eine Figur trägt vollständig der Aufführung hingegeben und gleichzeitig im Wissen, wenn der Vorhang fällt sind wir immer noch da aber nicht in diesem Schauspiel.

00:20:30: Und wir waren da als wir erwachten!

00:20:33: Wir waren da bevor die Rolle begann.

00:20:36: Es ist dieser Raum in dem das Ego nicht dazwischen tritt aus dem es sich heraushält um den es im Erwachen und diesmal nicht nur Im morgendlichen Erwachsen sondern im Sinne des Buddhismus verstanden geht.

00:20:50: weil Ist nicht dazwischentritt, dass ich?

00:20:53: existieren wir frei und unerpengig.

00:20:56: Es kommt nur darauf an diese Seite unseres Lebens auch zu kultivieren.

00:21:01: das ist unsere eigentliche Arbeit wenn man so will die Arbeit des Erwachens.

00:21:05: Schuckelmatzomoto schreibt sowie Josh Batai von einer Souveränitätssprach die sich gänzlich von der Dimension des Nutzens unterscheidet Die die Gegenwart für zukünftige Zwecke prägt.

00:21:18: So ist menschliches Handeln, wenn wir uns von der strengen Kausalität es um das Willen lösen nicht mehr auf bloße Arbeit beschränkt.

00:21:27: Es öffnet sich zu einem rein zweckfreien Jugeh was aus dem japanischen Übersetz so viel wie ungehinderte Freiheit bedeutet.

00:21:44: beschreiten des eigenen Weges der Meisterschaft.

00:21:46: Meistershaft bedeutet hier jedoch nicht, dass man seine Fähigkeiten verfeinert, um seinen Wert zu steigern!

00:21:53: Es bezieht sich vielmehr auf einen Zustand in dem man tief und ganz in die Handlung selbst eintaucht – eingetaucht ist ohne dabei ein Nutzen daraus ziehen zu wollen.

00:22:04: Worum es geht?

00:22:05: Ist also den festen Griff, um das Ziel, was Aristoteles Thelos nannte, zu lockern.

00:22:13: im ersten Moment Paradox erscheinen, weil es sicher als ein Bemühen präsentiert.

00:22:18: Doch es bedeutet weder in eine ziellose Lehre oder den Nihilismus abzugleiten hat – sei das ein Ziel?

00:22:24: Noch einfach das eine Ziel gegen einen Anderes einzutauschen!

00:22:27: Im Gegenteil, es geht einfach um ein allmähliches Wegfallen lassen.

00:22:31: Eine fundamentale Veränderung der Einstellung weg von einer konsum- und zweckorientierten Lebenseinstellung die alles inmittel und Zwecke einspannt und damit andere zermürbt und objektiviert.

00:22:44: Worum es geht, ist in den Worten von Schouquet eine Akzeptanz des Lebens als eines Prozesses der Fermentation – das heißt ein Prozess, in dem sich die Grenzen zum anderen und zur Umwelt allmählich in ihrer harten Form verschieben und aufzulösen beginnen.

00:23:03: Diese Fermentation macht einer Ganzeit Platz.

00:23:07: Sie ist kein bequemes Mittel, um irgendwas besseres Ergebnis oder Innovationen oder was auch immer hervorzubringen.

00:23:12: Sie bedeutet vielmehr den Verlust von Sinn zu ertragen und einfach weiter gemeinsam in dieser Ganze zu existieren ohne überhaupt zu wissen wozu sie letztlich nützlich sein könnte.

00:23:24: Gerade in dieser durch-unddurch zweckfreien und ungehinderten Freiheit liegt der wahre Ort unserer Zugehörigkeit nachdem wir dem Gefängnis der Nützlichkeit entkommen sind.

00:23:40: Am Ende

00:23:41: das Leben.

00:23:43: Letzter Gedanke Ludwig Wittkünster mit dem Michael Hampel sein Buch eröffnet, notierte am sechsten Juli-Ninzehnhundertsechzehn in seinem Tagebuch Der erfüllt den Zweck des Daseins, der keinen Zweck außer dem Leben mehr braucht.

00:23:59: Also nicht der erfüllt seinen Zweck, der etwas erreicht hat Auch nicht wer was verstanden hat Sondern wer die Frage nicht mehr braucht.

00:24:05: Und das ist das Ende der Geschichte, auch unserer Geschichten oder vielmehr das Ende, der Notwendigkeit überhaupt eine Geschichte haben zu müssen.

00:24:12: Denn das Universum hat keinen Zweck!

00:24:15: Es ist in diesem Sinn sinnlos und gerade das ist keine schlechte Nachricht sondern befreiend.

00:24:22: wie Schokai sagte Wir sind eine besondere vorübergehende schwindlerregend unwahrscheinliche Konfiguration aus Materie und Bewusstsein – und wir schwimmen drin aber nicht auf etwas zu Nicht von etwas weg.

00:24:36: Wir schwimmen, aber es ist nicht das Ziel irgendwo anzukommen am Morgen wenn die ganze Geschichte wieder anläuft.

00:24:43: also wenn's beginnt mit den Emails, den Meetings Wenn der ganze prächtige Zirkus unseres Ich und unseres ganzen Lebens wieder einsetzt werden wir tun was getan werden muss.

00:24:53: Aber es gibt einen Moment vielleicht wirklich nur ein kleinen moment in dem Sonnen.

00:24:58: klar ist dass noch keine geschichte begonnen hat nicht schon wieder aber wir sind trotzdem da.

00:25:04: Einfach nur Wachheit ohne Besitzer, wie der Vogel auf dem Ast.

00:25:09: Wie der Atem, der schon ging, ehe wir da waren und derens trug die ganze Zeit.

00:25:13: Das ist es was der Apparatus, der Apparaten niemals berühren kann!

00:25:17: Und das ist es, was wir kultivieren sollten... ...und das ist etwas, was niemals wirklich in Gefahr ist.

00:25:24: Und Tschüss!

00:25:27: Gertz-Gobel, produziert von der Pro Bono Fernsehproduktion GmbH.

00:25:32: Postproduktion Rene Fischell Musik Pascal Hadré Sprecherin Kimplette Meier.

00:25:37: Finanziert wird dieses Projekt von der gemeinnützigen Stiftung AVE dem Institut für Achtsamkeit Verbundenheit und Engagement.

00:25:45: Den Link dazu findet ihr in der Folgenbeschreibung.

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