Warum Odysseus der erste moderne Mensch ist – scobel
Shownotes
Was, wenn Christopher Nolans Odyssee gar nicht in erster Linie von Heimkehr, Monstern und antiken Göttern erzählt, sondern davon, warum unsere eigene Zivilisation ihr moralisches Fundament zu verlieren droht? Homers fast 2.700 Jahre altes Epos stellt eine erstaunlich moderne Frage: Was schulden wir einem fremden Menschen, bevor wir wissen, wer er ist?
Heute geht es um Christopher Nolans „The Odyssey“, Homers Odyssee und die Philosophie hinter dem Film. Im Mittelpunkt steht Xenia, das antike Gesetz der Gastfreundschaft und die Frage, warum Nolan dieses Prinzip ins Zentrum seiner Geschichte rückt. Dazu kommen Adorno und Horkheimer, ihre „Dialektik der Aufklärung“ und Odysseus als Urbild instrumenteller Vernunft: Ein Mensch, der durch List überlebt und dabei Gefahr läuft, sich selbst und den anderen aus dem Blick zu verlieren. Schließlich führt die Spur zu Friedrich Nietzsche und seinem berühmten Satz „Gott ist tot“.
Was bedeutet Moral, wenn kein Gott mehr für sie garantiert? Können Menschenrechte, Asylrecht, Völkerrecht und demokratische Werte bestehen, wenn ihre Regeln zwar jeder kennt, sie aber immer häufiger gebrochen werden? Damit führt Nolans Film mitten hinein in aktuelle Debatten über Migration, Krieg, Fremde, Demokratie, Trump, Vance, die Zukunft der liberalen Ordnung und macht aus einem antiken Mythos eine verblüffend gegenwärtige philosophische Geschichte.
Ist Nolans „Odyssee“ ein philosophisches Meisterwerk oder hat Homer-Übersetzerin Emily Wilson recht und hinter der grandiosen Oberfläche bleibt eine Leerstelle?
📅 Neue Ausgaben immer donnerstags, 19 Uhr.
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0:00 👉 Intro
0:34 👉 Die Odyssee
2:37 👉 Homers Text der Ὀδύσσεια
8:34 👉 Nolans Film — und warum mich die Film-Debatte nur mäßig interessiert
17:16 👉 Adorno, Horkheimer und das Selbst, das den Gast nicht mehr sieht
27:45 👉 Damit zu Nietzsche oder wie das Gesetz seinen Garanten überlebt
35:03 👉 Fazit
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Moderation, Recherche & Skript: Gert Scobel
Zeichnungen: Claus Ast
Eine Produktion der probono Fernsehproduktion GmbH: Anja Görner, Friedrich Küppersbusch, Jürgen Ohls, Kim Plettemeier, Maxie Römhild und René Fischell
Mit Unterstützung von: Alexander Hollmer, Annluise-Sophie Schröter, Arne Clasvogt und Pascal Hadré
Finanziert wird dieser Kanal vom gemeinnützigen AVE Institut für Achtsamkeit, Verbundenheit, Engagement (🔗 https://ave-institut.de/).
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Einige Bildelemente wurden unter zur Hilfenahme von künstlicher Intelligenz inspiriert & erstellt.
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Fragen und Anregungen gerne jederzeit per Mail an scobel@probono.tv.
Und Tschüss.
#scobel
Transkript anzeigen
00:00:00: Ihr alle kennt die Bilder vom Trojanischen Pferd, heute ein geflügeltes Wort.
00:00:03: Nicht nur in der Cyber Security und ihr kennt vermutlich auch die Geschichte von Zykloppen oder der Zauberin, die Menschen ins Schweine verwandelt.
00:00:11: Die ODC enthält eine Reihe von bis heute bekannten Metaphern und Geschichten allen voran natürlich die von einem Mann, der zwanzig Jahre nach dem Krieg den er maßgeblich mitgeprägt hat endlich nach Hause zurückkehrt.
00:00:23: Was er dort vorfindet, ist nicht mehr der Ort den er einst mal verlassen hatte.
00:00:27: was also heißt es sich selbst zu finden und den ort an dem man endlich wirklich Zuhause ist.
00:00:46: Willkommen zur neuen ausgabe von Scoble in dessen um die Odyssee geht.
00:00:50: ihr habt zu raten sowohl das original von Homer wie un Christopher Nolan's Kinofilm mit Topbesetzungen, über den vor allem im Netz ja viel diskutiert wurde.
00:00:59: Dass Gobi ein philosophischer Kanal ist geht es neben der Filmkritik v.a.
00:01:03: auch um Adonis und Hawkeimers Klassiker, Dialektik der Aufklärung – denn beide beschäftigen sich in einem umfangreichen Kapitel mit der Figur des Odysseus.
00:01:12: Ihre Analyse aus dem Jahr nineteenhundvierzig hat erstaunlich viel mit der Gegenwart z.B.
00:01:18: mit Trump und Vance zu tun!
00:01:20: Zuletzt möchte ich mich dann mit einem Aspekt beschäftigen, der mir in der bisherigen Diskussion ziemlich unterbelichtet erscheint.
00:01:26: Nämlich die Nähe von Nolan's Film zu Nietzsche berühmten Gottes Tod an Text aus der fröhlichen
00:01:32: Wissenschaft.".
00:01:33: Und das ist jetzt der Plan!
00:01:35: Zuerst will ich euch kurz was über ODC als antiken Text sagen – wirklich nur kurz.
00:01:40: Zweitens dann ebenfalls kurz etwas zur Filmdiskussion im Netz, die ich ehrlich gesagt nur mäßig interessant fand und viel zu hysterisch….
00:01:48: Und anschließend wende ich mich Nolan, Adorno, Hawkeimer und Nietzsche zu.
00:01:52: Was ich in diesem Fall ohnehin für ergiebig gehalte auch wenn einige von euch das vielleicht anders sehen würden.
00:01:58: Spoiler!
00:01:59: Meine These lautet, Nolan zeigt eine Welt in der das Gesetz der Gastfreundschaft noch gilt obwohl es dauernd mit den Füßen getreten wird aber er zeigt es von einer Position aus in der es dieses Gesetz längst nicht mehr gibt.
00:02:15: Das ist genau das Exil in dem Odysseus am Ende dann leben wird.
00:02:19: Vernunft und List, die für ihn eins so wichtig waren sind dieselben Faktoren, die verhindern den anderen als Mensch zu sehen – und dazu führten auch die Götter zu vertreiben!
00:02:31: Ich bin mir sicher, dass einige von euch das anders sehen werden….
00:02:33: Dafür gibt's ja die Kommentare also schreibt eure Meinung rein!
00:02:44: Was Hermes Leben und Herkunft betrifft, ist das meiste unklar.
00:02:48: Klar ist nur, dass unter seinem Namen zwei der umfangreichsten Werke der Weltliteratur überhaupt geschrieben worden sind – nämlich die Ilias mit fast sechzehntausend?
00:02:58: und die Odyssee mit über zwölftausend Fersen.
00:03:01: Und beide haben die gesamte abentländische Tradition geprägt, entstanden irgendwann im achten vielleicht auch siebten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung – und damit mindestens mal zwei tausend siebenhundert Jahre alt!
00:03:12: Älter sind nur die indischen Weden und das Babylonische Gigamesch-Apus.
00:03:17: Fraglich ist ob das auch für Hisjots berühmte Theogonie gilt die Geschichte der Entstehung der Welt.
00:03:24: Die Fachleute streiten, ob sie zur gleichen Zeit entstanden ist oder schon vorlag – man weiß es nicht genau!
00:03:30: In allen Fällen handelt es sich um mündlich überlieferte Stoffe, die erst deutlich später schriftlich fixiert wurden.
00:03:38: Die Wurzeln reichen also weit in eine unsunzugängliche Vergangenheit zurück, in der aber bereits eine hochentwickelte Kunst- und Kultursprache existierte, die aber mündig weitergegeben wurde obwohl diese Geschichten und Sagenzyklen so lang sind.
00:03:54: Die Erzählungen über den Trojanischen Krieg sind älter als Ilias und Odyssee, und sie hatten die Götterwelt der Antike längst geprägt bevor sie jemand dann aufgeschrieben hat.
00:04:05: Klar ist noch etwas für das die Odyssee steht – die Erfindung der Schrift, die eine massive Veränderung der Kultur bedeutete.
00:04:12: Ohne Schrift kein Roman keine Theorie keine dogmatische Religion, keine formalisierte Mathematik und damit natürlich auch keine KI-Systeme.
00:04:21: Die Ironie besteht darin dass ausgerechnet diese KI Systeme in diesem Moment bei uns die Dominanz der Schrift auf die wir ja Jahrhunderte, wenn ich ja tausende stolz war, wieder verschieben.
00:04:33: Denn KI-Systeme können sie perfekt imitieren und deshalb wenden wir uns gerade von der Schrift in gewisser Weise wieder ab so seltsam das klingt etwa in den Universitäten und Hochschulen oder Schulen weil wir die Schriften nicht mehr trauen können denn alle schriftlichen Dokumente, Schularbeiten, House Bachelor, Master Arbeiten auch wissenschaftliche Artikel könnten ja von KI Systemen generiert worden sein.
00:04:56: Also prüfen wir uns wieder gegenseitig mündlich und mündlich heißt von Angesicht zu Angesichts.
00:05:03: Im Grunde ist das eine Rückkehr zu dem Systembuch, der sich gerade in der Zeit Homers ereignete.
00:05:08: aber das ist ein anderes Thema.
00:05:10: was mich an der ODC seit meiner Kindheit fasziniert hat sind diese ganzen unterschiedlichen Personen und Sagen die damit verbunden sind.
00:05:19: all das war immer schon riesen Erzählkino.
00:05:23: Noch faszinierender finde ich heute als Erwachsener, dass offenbar jede Generation sich selbst wieder neu in diesem Text findet.
00:05:31: Und das zeigt Nolens Drehbuch und Film sehr deutlich!
00:05:36: Man kann das Original von Homer gar nicht lesen oder Nolans Films sehen, finde ich jedenfalls ohne trotz Antike und Göttern
00:05:45: usw.,
00:05:46: die eigene gottlose Gegenwart mitzudenken... Und an einigen Stellen eben auch an Trump, Vance die Oligarchen.
00:05:54: Übrigens den Begriff aus der Antike, Oligarchy oder Putin und andere.
00:05:59: wenn Kirke oder Zürze die Gefährten des Odysseus in Schweine verwandelt und behauptet sie führe Sie damit nur zu ihrer wahren Natur zurück dann ist das eine Ponte die zwei tausend siebenhundert Jahre später Man als Misantrop ebenso begrüßen kann wie als Genetiker, der ja um die große genetische Nähe zwischen Menschen und Schweinen weiß.
00:06:21: Damit ergeben sich, finde ich drei Einsichten.
00:06:24: Erstens Die ODC ist ein großartiger Bildungsroman.
00:06:28: Sie erzählt was es heißt sich als Ich in wilden Zeiten gegen gewalttätige Mitmenschen Und gegen einen Schicksal zu behaupten dass man nicht kennt und vielleicht auch niemals ändern kann.
00:06:42: Und diese Geschichte, diese Suche sagt sie ist unumgänglich damit verbunden Schuld auf sich zu laden.
00:06:48: Zweitens die ODC ist das große Narrativ der Suche nach Heimat und Sehnsucht nach dem Ort an dem wir wirklich endlich zu Hause sind und bei uns selbst angekommen sind.
00:07:01: Und die ODC spricht klar und deutlich eine bittere Wahrheit aus, dieser Ort ist nicht mehr da wenn man ankommt.
00:07:08: Marcel Prus hat das bekanntlich so formuliert Das wahre Paradies ist immer das Paradies dass man gerade verloren hat.
00:07:15: Drittens ist die ODC eine harte Liebesgeschichte mit ihr wegen fremdgehend Gewalt, Rache – eine Geschichte in der das gesamte psychologische Register am Werk ist, das freut erst über zweitausend Jahre später mit seiner Psychoanalyse begrifflich zu erfassen sucht.
00:07:32: Was die ODSC übrigens direkt und unverkennbar mit dem Thema Aufklärung zu tun hat dazu gleich noch mehr.
00:07:38: Noch was?
00:07:39: Homer selbst beginnt in seinem Epos die Mythen der Vergangenheit zu erden.
00:07:46: Und so ein bisschen, heute würde man sagen, zu dekonstruieren.
00:07:51: Denn er legt ihre Brüchigkeit und Widersprüchlichkeit frei.
00:07:54: Menschen sagen sie wären Zeus gesetzt, der Gastfreundschaft treu und verletzen es wo Sie nur können.
00:08:01: Damit beweist Homer in gewisser Weise dass diese Erzählungen bereits einer anderen vergangenen Zeit angehören und jetzt eine neue Zeit begonnen hat.
00:08:11: Und das heißt kehr zurück.
00:08:13: Aber er und auch die Welt, in die ihr zurückkehrt haben sich grundlegend verändert.
00:08:18: Es gibt diesen Ort nicht mehr um Christa Wolfs Romantitel zu zitieren kein Ort nirgends!
00:08:24: Das ist eigentliche die existenzielle Modernität dieses Textes.
00:08:29: Fazit also Hut ab vor diesem zwei tausend siebenhundert Jahre alten Text.
00:08:43: Nullen ist natürlich nicht der Erste, was Neues mit der ODC macht.
00:08:47: James Joyce hat die ODC zu einem der innovativsten Werke der literarischen Moderne umkomponiert.
00:08:56: Eine der frühesten venezianischen Opern überhaupt war Monteverdi's Il Retorno d'Ulisse in Patria – Die Heimkehr des Odysseus, Uhr aufgeführt in der Karneval-Saison, aus den letzten Jahren.
00:09:09: Händels letzte Oper Deidamia, hundert Jahre später in London behalten es eine Episode aus dem Leben des Odysseus vor dem Trojanischen Krieg.
00:09:19: Es gab die Fahrten des Odyssee mit Kirk Nuggles und es gab sogar eine Fernseh-Serie über die ODC.
00:09:26: Ende der Sechziger war das!
00:09:28: Und es gab zuletzt Roberto Pasolini's Film Rückkehr nach Ithaca mit Ralph Fiennes und Juliette Binoche, der sich wie Monteverdi und Händel auf einem Ausschnitt der ODC-Konzentrierte.
00:09:41: Und dann gibt es natürlich in loser Joyce-Verfremdungsmanier Cubics' two-thausendeins ODC Weltraum.
00:09:49: Nullen ist also ein guter Gesellschaft und hatte eine schwere Aufgabe vor sich, jetzt zur Debatte.
00:09:54: Es gibt zwei Arten von Einwänden gegen den Film und man sollte sie nicht miteinander verwechseln.
00:09:59: Der erste Typ-Einwand ausgeladsten Sandalen-Kategorie.
00:10:04: Leute, die darauf hinweisen, dass die Sandalen im Film historisch doch so nicht stimmen, das man früher anders geredet habe und anders gekleidet war.
00:10:13: Leute ,die das bemängeln finden wahrscheinlich auch James Joyce und Co.
00:10:17: blöd was sie mit der ODC gemacht haben und haben in diesem Fall überhaupt nicht verstanden, dass ein Spielfilm – und der Name sagt es ja schon – Spielfilm eben was anderes ist als ein Sachfilm.
00:10:31: Es handelt sich um ein eigenständiges Kunstwerk und so einen Kunstwerk kann man mögen oder nicht.
00:10:37: Aber wenn Drehbuch, Regie, Darstellerin Licht Ton Musik auf State of the Art Manier zusammenfinden dann entsteht ein eigenes Kunstwerk vielleicht sogar auf sehr hohem Niveau.
00:10:49: da kann man drüber streiten.
00:10:50: aber ein Kunstwerk Und keine Doku.
00:10:54: kein Sachfilm womit ich nicht gesagt habe das Nicht auch eine Doku äußerst kunstvoll sein kann, natürlich.
00:11:03: Aber Dokus gehören einem anderen Genre an und müssen auch nach anderen Regeln beurteilt
00:11:09: werden.".
00:11:09: Die zweite Sorte-Einwand ist ein bisschen ernster und kam vor allem aus der feministisch antikolonistischen Vorken-Diskussion.
00:11:19: Ein Beispiel ist Emily Wilson die gefeierte – zurecht gefeierte – Homer-Übersetzerin, deren Odyssee Übersetzung Nolan selbst als Einfluss genannt hat.
00:11:28: Wilson hat in der London Review of Books eine vernichtende Kritik geschrieben über den Film und dann nochmal in einem Essay im Atlantic nachgelegt.
00:11:37: Ihr Vorwurf ist ausdrücklich nicht philologisch, sie sagt nicht da fehlten Fers hier und da fehlt ein Fers dar.
00:11:45: Sie sagt dem Film fehlt einfach psychologische emotionale Tiefe ethische Tiefe Und er isst nicht kritisch sondern er ist kalt!
00:11:56: Sie schreibt auch Zitat Nolan lässt die meisten Gottheiten im Film weg, abgesehen von Sendaias Athene, die nur Odysseus erscheint und auf all ihre üblichen Attribute als Kriegsgöttin und Göttin der Strategie verzichtet.
00:12:12: Sie tut eigentlich gar nichts was allerdings nicht die Schuld der Darstellerin
00:12:16: ist.".
00:12:17: Auch Zeuss und Poseidon und Co.
00:12:20: erscheinen ja nicht zu Wilson!
00:12:22: Und ihr Vorwurf?
00:12:23: Das macht den Film von Nolan absolut Unterkomplex, keine Götter oder Göttin.
00:12:30: Calypso gespielt von Charlize Theron ist etwas wie Odysseus Privat-Psychoanalytikerin.
00:12:36: Sie sagt eigentlich nix, bleibt ein bisschen blass und wir sehen nie, wie sie Sex mit Odysseuse hat!
00:12:41: Daher lautet Wilson's Kernfrage – was will dieser Odysseuss?
00:12:46: Eigentlich erscheint nichts zu begehren kein Essen, kein Körper, keine Welt.
00:12:52: Scherste Formulierung ist eine Umkehrung von Nolens eigenen Bild.
00:12:55: Der Film sei eine Art trojanisches Pferd, weil das Drehbuch die Menschen und Gastfreundschaft beschwöre, wenn die Kamera dauernd das Gegenteil und ganz andere Werte zeigt – vor allem Gewalt!
00:13:08: Allerdings räumt Wilson ein, dass der Film der Sache-Homers nützte.
00:13:12: Die Leute gehen ins Kino und ihre eigenen Übersetzungen verkaufen sich bestens.
00:13:17: Ich selber teile diesen Einwand oder einen Wende von Wilson überhaupt nicht.
00:13:21: Und zwar aus Gründen, die mit Kürzung und Werktreu über die man vor mir ausstreiten kann, überhaupt nichts zu tun haben.
00:13:28: Insgesamt ist eine Frage wie Ist der Film dem Buch gerecht geworden?
00:13:33: ohnehin ziemlich unergiebig bei einem Stoff?
00:13:36: Der nun tatsächlich ungeheuer komplex ist und eigentlich für mehrere Tage möglicherweise sogar Wochenkino am Stück reichen würde.
00:13:44: Denkt nur mal an die Fortsetzung von Duhn!
00:13:46: Die ODC ist ein komplexes Ausufern des Epos, das seit der Antike die Selbstwahrnehmung des Kontinents, der sich später dann Europa genannt hat mitbestimmt hat.
00:13:58: Es gibt keine Verfilmungen, die all dem gerecht wird an dieser komplexen Geschichte, die damit verbunden ist und es kann auch keiner geben.
00:14:05: Die vielinteressantere Frage lautet was tut dieser Film?
00:14:09: Was macht er?
00:14:10: Was arbeitet er heraus?
00:14:12: Und da ist Nolan's Entscheidung, wie ich finde, bemerkenswert scharf.
00:14:16: Denn er hat das ganze Epos auf ein einziges Gesetz zugespitzt – auf das Gebot des Allerobersten Gottes, dem alle vorgeleisten müssen!
00:14:26: Im Film heißt es der Einfachheit halber Zeus-Gesetz.
00:14:30: Der griechische Begriff dafür ist Xenia Gastfreundschaft.
00:14:34: Wörtlich heißt es bei Nolan, Zeusgesetz besagt dass wir Fremde so behandeln sollen, wie wir selbst behandelt werden möchten.
00:14:43: Denn sie könnten Götter in Menschen gestalt sein!
00:14:47: Ich glaube, wir haben festgestellt, das du kein Gott bist,
00:14:50: Antonius.".
00:14:51: Nullen hat es in einem Interview selbst so formuliert – Es geht um den wechselseitigen Respekt und den Grundsatz, den anderen so zu behandeln, wie man selber behandelt wird.
00:15:03: In gewisser Weise ist das sozusagen minimal Demokratie auf den Punkt gebracht.
00:15:08: Und Nolan bindet daran eine erhebliche Schuld seines Odysseus, denn das Trojanische Pferd – also die List mit der er Odysseuss den Krieg gewonnen hat – ist bei Nolan der Sündenfall.
00:15:21: Denn das Geschenk war ja eine Falle!
00:15:24: Das Gastgeschenk waren Waffe!
00:15:27: Odysseuses beginnt bereits im zerstörten Troja während er im Film dadurch die Trümmer wird, an sich selbst zu zweifeln.
00:15:36: Denn er glaubt mit dieser einen Erfindung und all dem was er an Zerstörung da rund um sich beobachtet genau die Regel zerstört zu haben, die den ganzen Mittelwehraum alle Menschen und diese mit den Göttern zusammenhielt.
00:15:51: Dieses Gesetz war die Zivilisation selbst Und das Haus hat es zerstört.
00:15:57: Das mag man jetzt als Größenwahn kritisieren, aber es ist genau der Punkt an dem der Film aufhört nur ein Historienfilm oder eine Literaturverfilmung zu sein.
00:16:07: Der Film stellt nämlich die Frage wo wir heute in der Sache stehen?
00:16:12: Achten wir auf Gastfreundschaft.
00:16:13: was Nolan zeigt ist folgendes ergibt dem Völker- und Asylrecht der liberalen Weltordnung und den Verfassungsnormen liberaler Demokratie eine metaphysische Kraft im Film, die Kraft des Zeugs.
00:16:27: Und indem er Xenia in Gebot des obersten Gottes Zeugs verankert, der als einziger die Ordnung der gesamten Welt überblickt, sagt er – Die Verletzung dieses Sittengesetzes führt zum Untergang der zivilisierten Lebensform.
00:16:42: Das ist nicht ne kleine Ordnungswidrigkeit!
00:16:45: ist führt zum Untergang.
00:16:46: Und die Frage, die der Film stellt lautet bei eurer Sucht nach Erfolg und Selbsterkenntnis-Liebezeitgenossen.
00:16:54: Habt ihr euch mal die Frage gestellt?
00:16:56: Was Menschen einander schulden gerade weil sie Menschen sind so unterschiedlich Sie auch denken fühlen sprechen handeln oder aussehen mögen!
00:17:06: Das ist keine antikvarische oder antike Frage.
00:17:10: das is die Frage an der sich Unsere Gegenwart und die Menschlichkeit in unserer Gegenwart überhaupt entscheidet.
00:17:25: Kommen wir zu Philosophie genauer, zu Adorno & Horkheimer's Dialektik der Aufklärung, in der es ein großes Kapitel, einen Exkurs über die Odyssee gibt.
00:17:33: Darin geht das nicht um Gastfreundschaft sondern um Aufklärungen!
00:17:37: Die beiden lesen Odysseus als Urbild des bürgerlichen Individuums – warum?
00:17:42: Heimat ist für Odysseuss dass Ende der Zeit als Nomade und die Idee der Sesshaftigkeit.
00:17:47: Die aber, und darin folgen sie Marx, begründet die Idee des Eigentums – um.
00:17:51: mit dem Eigentum leitet sie die Entfremdung des Menschen ein.
00:17:55: Die Größe von Homer sei es gewesen sagen die beiden gerade das zu zeigen!
00:18:00: Wenn Heimat nicht das Phantasmer eines verlorenen alten Gästrigen sein soll muss sich Heimat den Menschen unter Menschlichkeit zuwenden.
00:18:10: Was aber geschieht, ist brutale Rache die die Zivilisation in Gestalt von Odysseus an der Vorwelt übt.
00:18:18: Was Odysseuss begegnet auf dem Weg sind's?
00:18:21: So Hawkeimer und Adorno.
00:18:22: Gefahrvolle Umwege und Verlockungen Die das selbst aus der Bahn seiner Logik herausziehen schreiben sie.
00:18:30: Odysseuses wird immer wieder vergessen wer er isst oder wer er war Und er wird viel Schrecklichem begegnen und erkennen müssen, dass er selbst ein Schatten der Totenwelt ist.
00:18:42: Wörtlich schreiben die Philosophen über das gewalttätige Epos etwas das fast wie eine Rechtfertigung des Nolan-Films gegen seine Kritiker klingt.
00:18:51: Sie schreiben ... Das hat man hier Nolan vorgeworfen.
00:18:58: Die noch das grauenhafte Vorträgt als wäre es zur Unterhaltung bestimmt lässt zugleich das Grauen erst hervortreten.
00:19:07: Und dass es Homer gelingt, in der spannenden unterhaltsamen Geschichte dieses Grauen immer wieder erscheinen zu lassen genau das macht ja die Größe seiner Erzählung aus.
00:19:17: aber auch die Größen finde ich von Nolan's Film Der Homer dabei ganz dicht auf der Pferde ist.
00:19:22: und weiterschreiben die beiden.
00:19:24: Die Genauigkeit des Beschreibers, die schon die Kälte von Anatomie und Vivisektion ausstrahlt führt romanmäßig, und man könnte jetzt ergänzen.
00:19:34: Führt filmisch, Zitat weiter, Protokoll über die Zugungen der Unterworfenen, die im Zeichen von Recht und Gesetz in jenes Reich hinabgestoßen werden aus dem Der Richter Odysseus
00:19:48: entkam.".
00:19:49: Also all dem entkommt Odysseis ja nur durch List griechisch Metis.
00:19:54: Und diese List erscheint immer wieder als Selbstverleugnung einerseits und brutale Naturbeherrschung andererseits.
00:20:03: Odysseus ist der Erste in der griechischen Welt, der Mythologie und Eben, der sich nicht durch Kraft behauptet sondern durch kalte Berechnungen.
00:20:13: Er ist der erste, der zu dem zykloppen Polyphem sagt wie ich heiße?
00:20:18: Ich heiße niemand!
00:20:19: Er gibt sich selbst auf um sich zu retten.
00:20:23: Die berühmteste Szene ist aber die Begegnung mit den tödlichen Sirenen.
00:20:28: Darum dreht sich es auch in dem Kapitel von Horkheimer und Adorno.
00:20:32: Die Abenteuer des Odysseus, schreiben die beiden, sind allesamt Gefahrvolle Lockungen, die das selbst aus der Bahn seiner Logik herausziehen.
00:20:41: Habt ihr eben schon mal gesagt?
00:20:42: Wichtiger Satz!
00:20:43: Aber Odysseuss schlägt dem ein Schnipchen.
00:20:46: Wissen – und das ist Odyssees Maxime – bedeutet, sich der Ablenkung den Irrwegen anzuvertrauen und sich der Todesdrohung am verwegendsten zu überlassen wie es in der Dialektik der Aufklärung heißt.
00:21:00: Odysseus lässt sich also folglich an den Mast binden, seine Ruderer lässt Erwachsene die Ohren stopfen.
00:21:07: er hört aber kann nicht handeln.
00:21:09: Die anderen arbeiten Aber sie können nicht hören und müssen stipide weiter rudern.
00:21:15: Für Adorno & Horkheimer ist das die Geburtsstunde der instrumentellen Vernunft Also die Spaltung in ein genießendes zusehendes Und ein arbeitendes selbst.
00:21:27: Kunst wird zu etwas, das man konsumiert während man festgebunden ist.
00:21:32: Wir sitzen heute fest auf den Kino sesseln und Arbeit wird so etwas bei dem man nichts hören darf einfach nur stupide konzentrieren auf die Arbeit.
00:21:41: Das scheint zunächst auf etwas ganz anderes hinauszulaufen als auf Nolensbetonung des obersten Gesetzes der Gastfreundschaft.
00:21:49: aber das halte ich für falsch.
00:21:50: Man muss einfach nur mal genauer hinsehen Denn Odysseus wird bereits schuldig, lange bevor er sich an den Mast binden lässt oder das Trojanische Pferd baut.
00:21:59: Er wird schuldigt weil er sich wissentlich instrumentalisieren lässt und zwar als Krieger für Agamemnon der Troja in Wirklichkeit ja nicht um Hellenas willen will sondern um seine eigenen Machtgelüste willen und Eroberung willen.
00:22:13: Odysseuss lässt sich einspannen, er lässt sich instrumentalisierend Und dann einmal im System wird er zum Helden dieses Systems, zum Meister-Instrumentalisierer.
00:22:24: Durch List lässt er alle anderen hinter sich und überlebt auch seine Mannschaft die für ihn stirbt jeder Einzelne!
00:22:33: Das ist die bittere Ironie der der Vereinnamung entkommen wollte und Düsseldorf vervollkommnet sie an allen Anderen.
00:22:42: Man kann das nicht als bloßen Charakterfehler abtun.
00:22:47: Odysseus in Nolens Filmen sieht das so, dass selbst ist nicht zu denken ohne den Gebrauch der instrumentellen Vernunft.
00:22:54: Und wer überleben will wird diese instrumentelle Vernunft einsetzen?
00:22:59: Er braucht sie!
00:22:59: Wird sich behaupten müssen auch mit Gewalt was das kostet und wie hoch der Preis ist.
00:23:06: auch der Verlust der Menschlichkeit.
00:23:08: Das erfährt Odysseuss am Mast.
00:23:10: dort wird ihm nämlich offenbar eigentliche Sehnsucht ist und wie sein Leben hätte aussehen können.
00:23:18: Das ist der Gesang der Sirenen, dieser verführerische.
00:23:21: Und genau dort kann er eben nicht danach handeln!
00:23:25: Denn es gefesselt und kann.
00:23:26: dem, wonach er sich wirklich sehnt und was die Sirenen ihm rüberrufen, dem kann er nicht folgen – das kann er jetzt nicht verwirklichen.
00:23:33: Er ist gefesseld ans eigene Überlebensprogramm und das ist ein Programm der instrumentellen Vernunft.
00:23:39: Grandios übrigens.
00:23:41: in dieser Szene muss man ja auch mal erwähnen die ganz sperrliche Filmmusik des dreifachen Oscar-Gewinners, des jungen schwedischen Filmkomponisten Ludwig Göransson.
00:23:51: Was aber ist jetzt die Folge der Instrumentalisierung?
00:23:54: Ganz einfach!
00:23:55: Der Mann, der sie am besten von allen benutzt – der listenreiche Odysseus – wird sich selbst fremd.
00:24:04: Er kennt sich nicht mehr und verliert sich auf seiner Irrfahrt.
00:24:09: Bei Calypso sitzt er sieben Jahre am Strand und weint.
00:24:14: Wer da eigentlich weint?
00:24:16: Er ist sich selbst fremd geworden, kleiner Spoiler.
00:24:19: Bei Homer is die eigentliche Versuchung nicht Kalypso sondern die Königstochter Nausicaa Die bei Nolen mit keinem Wort vorkommt.
00:24:28: Aber wir sind damit bei der These um die es mir geht und um die ich meine an sich nach auch der ganze Film dreht.
00:24:35: Die Vernunft, die nichts neben sich duldet deren Hauptfunktiones ist alle anderen auszustechen und zu überleben ist dieselbe Logik, die dazu führt den Fremden überhaupt nicht mehr erkennen zu können und vor allen Dingen ihn nicht mehr anzuerkennen als das was er ist.
00:24:54: Nämlich ein Mensch!
00:24:55: Die Dialektik der Aufklärung markiert die UDC als den Umschlagspunkt der vollendeten Selbstbehauptungen in eine neue Barberei so die These der beiden.
00:25:04: Bei Homer gibt's da ne gute Stelle Das souveräne.
00:25:07: ich hat die Selbst behauptung soweit perfektioniert dass es den Gast Den Fremden, den anderen gar nicht mehr sehen kann und auch gar nicht mal sehen will.
00:25:18: Das ist der Punkt an dem Odysseus am Ende des Films zu sich nach Hause kommt als Bettler und versportet wird von den Anderen.
00:25:26: Und das ist auch der Punkt, an dem Trump und Vance auf einem Rampenlicht stehen ohne dass sie überhaupt irgendwie genannt werden oder auf der Bildfläche erscheinen.
00:25:34: Trump ist der Endpunkt dieser Denkfigur die rücksichtslos listig zu sein versucht Dieels macht, listige Deals macht.
00:25:43: Aber in Wahrheit zweieinhalb Tausend Jahre alt ist.
00:25:46: Aber Trump fehlt etwas das sowohl Homer wie auch Nolan kennen und zeigen wollen weil es für ihn zwar Listen reichen aber eben auch dem gesetzverpflichteten Odysseus steht.
00:25:57: Was ich meine, muss ich erläutern steht bei Homer im siebzehnten Gesang fährst vierhundertdreienundachtzig bis vierhundertsiebenundachzig.
00:26:04: Also der verkleidete Odysseus ist als Bettler in seinen eigenen Palast zurückgekommen und da bewirft ihn Antinos brutal mit einem Schemel und trifft ihn hart!
00:26:15: Wörtlich sagt einer der vielen Freier, also der Leute die auch gerade das Gastrecht mit Füßen treten.
00:26:21: Antinos!
00:26:22: Das war nicht gut den unglücklichen Wanderer zu schlagen.
00:26:26: Verfluchter was?
00:26:27: Wenn er wirklich ein himmlischer Gott ist?
00:26:30: denn auch Götter fremder aus der Fernengleich nehmen mancherlei Gestalt an und durchziehen die Städte um Fräfel- und Rechtschaffenheit der Menschen zu beobachten?
00:26:40: Das ist die Pörnte.
00:26:42: Erstens, der andere könnte auch ein Gott sein – also achte ihn!
00:26:46: Du begegnest in anderen einen Gott.
00:26:49: und zweitens ausgerechnet einer aus der Gruppe der übermütigen jungen Männer, die genau dieses Gesetz der Gastfreundschaft von Zeus seit Jahren mit den Füßen treten und das Haus des abwesenden Königs leer fressen und sich über seine Frau hermachen wollen.
00:27:06: sie alle kennen die Regeln Sie können sie fehlerlos zitieren, man fragt sich ob Trump das kann.
00:27:12: Und sie halten sich nicht dran – nicht im Geringsten!
00:27:16: All das ist kein Widerspruch bei Homer und auch keinen Widerspruch bei Nolan im Gegenteil.
00:27:21: Es ist die ehrlichste und genaueste Beschreibung unserer Lage, die ich kenne.
00:27:27: Wir haben die Menschenrechte nicht vergessen.
00:27:29: Die kennen sie, wir können sie aufsagen.
00:27:30: Wir zitieren sie in Sonntagsreden und brechen sie dann am Montag an der
00:27:35: Grenze.".
00:27:36: Denn das Frontex, um mal ein Beispiel von vielen zu nennen sich wirklich immer an die Menschenrechte hält.
00:27:42: Das ist ein längst widerlegtes Narrativ.
00:27:54: Und damit zum letzten Punkt der mir in der gesamten Diskussion gefehlt hat.
00:27:58: In Nolens Film kommen die Götter physisch nicht vor und das wird ihm ja vorgeworfen.
00:28:03: wie kann er das machen?
00:28:06: ist die einzige Ausnahme.
00:28:07: und selbst bei Athene kann man sich fragen, ob sie nicht in Wahrheit eine Projektion also ne Vorstellung von Odysseus ist.
00:28:14: Niemand anders sieht sie außer Odysseis selbst!
00:28:17: Ansonsten manifestieren sich im Film die Götter ja nur indirekt zum Beispiel als Naturgewalt – man hört den Donner im Hintergrund oder eben im Meeressturm Poseidon.
00:28:29: Vielleicht ist jetzt der Donner oder der Sturm ein Zeichen für die Anwesenheit von Zolls- oder Poseidon.
00:28:35: Vielleicht sind aber Donner und Sturm wirklich nur zufälligerweise Donner & Sturm?
00:28:39: Eine Reihe von Kritiken haben das Nolan als eine handwerkliche Reduktion und geringe Komplexität vorgeworfen.
00:28:47: Nolan traue sich nicht an den Mythos heran.
00:28:49: Er entzaubert ihn, er mache aus dem Epos eine Kriegsheimkehrerstulie letztlich ne Fallgeschichte über ne posttraumatische Belastungsstörung.
00:28:58: Ich lese das genau umgekehrt.
00:29:01: Diese Götterdämmerung ist nicht Nolans Schwäche.
00:29:04: Sie isst viel mehr der inhaltliche Kern der ODC Die allerdings weil sie eben kein modernes Epos ist Viel enger noch an die weltreligiöser Vorstellung von damals gebunden bleibt.
00:29:13: Was hier in Wahrheit passiert hat Friedrich Nietzsche als den Wendepunkt der Moderne beschrieben.
00:29:20: In der fröhlichen Wissenschaft taucht der Gedanke vom Tod Gottes, zuerst im Aphorismus Hundert-Acht auf – neue Kämpfe!
00:29:27: Berühmt geworden ist aber der Aphorismos Hundertundzwanzig, der tolle Mensch.
00:29:32: Der Mann mit der Laterne läuft am hellen Vormittag über den Markt und sucht Gott und die Umstehenden lachen sich tot.
00:29:39: Jedes Mal aufs Neu finde ich diesen Text wirklich beeindruckend.
00:29:43: Ich les ihn Leichten Kürzungen mal vor, weil es sich lohnt.
00:29:46: Wohin ist Gott rief er?
00:29:48: Ich will das euch sagen!
00:29:50: Wir haben ihn getötet – ihr und ich.
00:29:54: Wir alle sind seine Mörder.
00:29:56: Aber wie haben wir dies
00:29:58: gemacht?!
00:29:59: Wie vermochten wir das Meer auszutrinken?
00:30:02: Wer gab uns den Schwamm um den ganzen Horizont wegzuwischen?
00:30:06: WohIN bewegen wir uns?
00:30:08: Fort von allen Sonnen.
00:30:10: stürzen wir nicht fort während und rückwärts, seitwärz vorwärzt.
00:30:14: nach allen Seiten gibt es noch einen oben und ein unten.
00:30:18: Irren wir nicht wie durch ein unendliches Nichts.
00:30:22: haut uns nicht der leere Raum an.
00:30:25: ist das nicht kälter geworden?
00:30:27: kommt nicht immer fort die Nacht und mehr Nacht.
00:30:31: müssen nicht Laternen am Vormittag angezündet werden?
00:30:35: hören wir noch nichts von dem Lärm der Totengräber welche Gott begraben?
00:30:39: Riechen wir noch nix von der göttlichen Verwesung auch Götter verwiesen.
00:30:43: Gott ist tot, Gott bleibt tot und wir haben ihm getötet!
00:30:48: Es gab nie eine größere Tat – und wer nur immer nach uns geboren wird gehört um dieser Tatwillen in eine höhere Geschichte als alle Geschichte bisher
00:30:58: war.".
00:30:59: Hier schwieg der tolle Mensch und sah wieder seine Zuhörer an.
00:31:03: Auch sie schwiegen und blickten befremdend auf ihn.
00:31:07: Endlich war für seiner Laterne auf den Boden das sie in Stücke sprang unter Losch.
00:31:11: Ich komme zu früh, sagt er dann.
00:31:13: Ich bin noch nicht an der Zeit!
00:31:14: Dies ungeheure Ereignis ist noch unterwegs und wandert.
00:31:18: Es ist noch nicht bis zu den Ohren der Menschen gedrungen.
00:31:21: Blitz-und Donner brauchen Zeit.
00:31:23: Das Licht der Gestirne braucht Zeit.
00:31:25: Taten brauchen Zeit Auch nachdem sie getan sind um gesehen und gehört zu werden.
00:31:30: Diese Tat isst ihn immer noch ferner als die fernsten Gestirme.
00:31:35: Nietzsche schreibt hier keine ateistische Kampfschrift.
00:31:39: Er beschreibt etwas Und seine Beschreibung ist eine Verlustanzeige, die aber noch niemand so richtig verstehte.
00:31:47: Sozusagen ne Anzeige mit verzögerungene Flaschenpost und mit einem Mal wird Nolens Film und sein Ende finde ich vollkommen klar!
00:31:56: Odysseus sagt bei Nolan das wir das Gesetz des Zeugs kennen, aber nach allen Regeln der Kunst gebrochen haben.
00:32:05: Er sagt nicht es gab nie ein Gesetz also hat nie einen Gott gegeben.
00:32:09: er sagt Es gab eins Und wir haben es zerstört.
00:32:13: Wir haben's selbst getan, wir haben das getötet und mit diesem Gesetz, dass wir missachten, haben wir auch den ganzen metaphysischen Rahmen verlassen.
00:32:21: Das ist exakt Nietzsche-Sdenkstruktur!
00:32:24: Es geht nicht darum ob es Gott gibt oder nicht, ob der Donner nun Zolls ist oder ob der DONNER der Donna is'.
00:32:30: Es geht darum was wir Menschen getötete haben und dass wir erst allmählich begreifen was das heißt.
00:32:39: Die Folge ist nämlich, dass wir fortan im Exil leben müssen.
00:32:43: Wir haben uns selbst mit unserer instrumentellen Vernunft und durch die Verletzung der Gastfreundschaft vertrieben.
00:32:49: Und die Götterlosigkeit ist nichts anderes als diese vollendete Göttermärung!
00:32:54: Das Fehlen der Göttern in Nolan's Film überhaupt kein Mangel ganz im Gegenteil.
00:33:00: In dem Nolan bei Nietzsche ansetzt, ist er ganz auf der Höhe des Arguments.
00:33:05: all das ist Folge einer hinterlistigen Vernunft vollständig herrscht und einen Deal nach dem anderen mit List plant, Macht und durchführt.
00:33:15: Dass der andere nicht mehr für sie zählt dass das Gesetz des Gottes mit Füßen getreten wird und dass das Göttliche nur noch in einer einzigen Gestalt sichtbar werden.
00:33:24: um zu den Menschen kommen kann nämlich in Form der Erkenntnis ihrer eigenen Schuld im Gewissen.
00:33:30: und wie macht sich das bemerkbar?
00:33:32: als Trauma?
00:33:33: Dabei könnte es friedlich sein!
00:33:35: Das sagt der Film ja auch.
00:33:37: Es wäre möglich, durch die Gastfreundschaft und den freundlichen Umgang miteinander im anderen wieder einen Funken der Göttlichkeit wiederzuentdecken von der er die alten Mythen und Religionen eines sprachen.
00:33:49: Aber diesen Gott sozusagen dem Gott im Anderen haben wir getötet!
00:33:53: Der Mann, der jetzt mit seiner Schuld über das Meer Gen Westen und damit am Ende des Films Richtung Amerika fährt dieser Mann wird niemals mehr ankommen Und das ist meine zentrale These.
00:34:05: Nolan zeigt in seinem Film eine Welt, in der das Gesetz noch gilt.
00:34:09: Wir haben es noch in den Ohren!
00:34:11: Aber aus einer Position heraus, in die es längst nicht mehr gilt?
00:34:15: Das ist die Definition von Exil und das verlorene Paradies ist nicht das Ithakar der ODC.
00:34:22: Das Verlorene Paradies ist unser Verlust einer Welt in der Gastfreundschaft, Freundlichkeit heiliges Gesetz war.
00:34:30: Das Gesetz hat seinen Garanten Zeus überlebt Und wir haben ihn mit dem Gesetz getötet.
00:34:37: Wir haben Asylrecht, Völkerrecht, Menschenrechte, Verfassungsnormen, lauter Sätze die mal metaphysisch gedeckt waren und es längst nicht mehr sind – wir könnten sie aber trotzdem einhalten!
00:34:48: Es gibt ja keine göttliche Macht mehr, die Sie verbirgt.
00:34:51: Es gibt nur noch uns und deshalb gibt es bei Nolan den Satz Don't look for gods in man you will always be disappointed.
00:35:01: Schau dich besser selbst an und tu was.
00:35:09: Also, der Film hält drei Ebenen zusammen die man auch als Zuschauerin mitverfolgt.
00:35:15: Mal mehr auf der einen mal mehr auf den anderen Ebene.
00:35:17: Da ist zum ersten die antike Erzählung selbst Die Nullen.
00:35:22: zweitens handwerklich außergewöhnlich gut umsetzt durchaus in hohem Mehr Sinn wie ich finde im Breitwandformat inszeniert.
00:35:29: Und drittens gibt's da die Ebene unserer eigenen Zeit.
00:35:32: Eine Zeit in der Gastfreundschaft, Stichwort Migration, Fremde zum zentralen Feindbild geworden ist!
00:35:38: Was Europa hier versucht, indem es zaghaft an Zeus Gesetz erinnert gilt in Washington bei Vance und Trump als der sichere Untergang – in Teilen der europäischen Rechten übrigens auch.
00:35:50: Und Russland spielt ohnehin mit Migration als Mittel Europäische Demokratien zu destabilisieren.
00:35:56: Die Frage, die der Film stellt lautet Jetzt, da ihr wisst, dass ihr wie Odysseus bereits im Exil lebt und auf den Meeren umherirrt.
00:36:06: Gibt es etwas das ihr einem anderen Menschen schuldet bevor ihr wisest wer dieser Mensch ist?
00:36:13: Homer hat diese Frage vor zwei tausend siebenhundert Jahren beantwortet.
00:36:16: seine Antwort war ja Du weißt nicht wer davor deiner Tür steht.
00:36:21: du weißt auch nicht wohin du selber kommst zu einer zauberen Zyklopen oder in mehres strudel.
00:36:27: Aber wer da vor dir steht, der andere, Fremde könnte auch ein Gott oder eine Göttin sein wie Athene.
00:36:33: Heute haben wir diese Deckung nicht mehr!
00:36:35: Wir wissen, das steht kein Gott.
00:36:38: Das steht ein Mensch – das ist das Maximum.
00:36:40: Aber anerkennen wir die Tatsache?
00:36:43: Sind wir bereit, nicht wieder in den Krieg zu ziehen?
00:36:46: So jetzt seid ihr dran.
00:36:48: Ist Nolensfilm das Kunstwerk für das ich ihn halte?
00:36:52: Oder hat zum Beispiel Emily Wilson recht?
00:36:55: Und da ist nur diese grandiose unterhaltende Oberfläche über einer riesigen Leerstelle.
00:37:01: Und die wichtigere Frage, kann ein Sittengesetz ohne metaphysische Deckung also ohne Gott oder Götter überhaupt halten?
00:37:10: Oder brauchen wir doch einen Zeus der irgendwie von oben zuschaut?
00:37:15: Schreibt's in die Kommentare!
00:37:17: Bis zum nächsten Mal und Tschüss!
00:37:25: Postproduktion René Fischel, Musik Pascal Hadré, Sprecherin Kim Plättemeyer.
00:37:31: Finanziert wird dieser Kanal von drei gemeinnützigen Organisationen der Udo Keller Stiftung Forum Humanum und der Oceano Stiftungen für das Meer sowie vom AVE-Institut für Achtsamkeit Verbundenheit Engagement.
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